Mein Informationsjahr in México 2008

2008-03-15 Semana Santa = URLAUB *freu freu*

D.F. – Los Mochis – Playa Maviri

Bereits um 04:00 klingelte mich der Wecker heute Morgen aus dem Bett. Katzenwäsche absolviert, was Essbares zwischen die Kauleisten geschoben, die restlichen Sachen im Rucksack verstaut und pünktlich um 04:45 an der Rezeption angetreten, wo auch schon der bestellte Taxifahrer wartete, der uns (Julia und mich) zum Flughafen bringen würde. Da wir rechtzeitig eingecheckt hatten, konnten wir noch in aller Ruhe den gerade neu eröffneten Terminal 2 bewundern, zu dem unser Arbeitgeber so einiges (unter anderem die gesamten Transportbänder) beigesteuert hat, und mit einem Starbuckskaffee (na gut, in meinem Fall war’s mal wieder eine Schoko-Malteada) in der Hand in aller Ruhe auf unseren Flug warten. Um 07:00 war es dann soweit und wir durften einsteigen in den winzigen Flieger, in dem Julia kaum aufrecht gehen konnte. Der Pilot, der vorn im Cockpit saß, sah aus, als ob er gerade seinen Mofa-Führerschein gemacht hat und die Klimaanlage war völlig im Eimer. Erst hatten wir Frost und später dann Hitze – als Vorbereitung auf das, was uns in der nächsten Woche erwarten wird. Trotzdem hab ich wohl gut geschlafen, denn außer an den Start und an die Landung kann ich mich an nichts erinnern. Die Landung in Los Mochis um 08:00 (jetzt in GMT-7) war aber auch zu beeindruckend um sie zu verschlafen. Wir hatten einen wunderschönen Blick auf die raue Wüsten-Steppen-Landschaft direkt am Meer. Sehr interessant war auch, dass der Pilot nach der Landung auf der Landebahn umgedreht hat und auf ihr zurück gefahren ist bis zum Flughafengebäude. Naja, wenn nur alle 4 bis 5 Stunden mal eine kleine Maschine hier landet, dann ist das anscheinend kein Problem und im Notfall kann man ja immer noch ausweichen und durch den Sand gurken…(Auf so einem kleinen Flughafen bin ich, glaub ich, noch nie gelandet. Das Gepäcktransportband war auch dementsprechend niedlich. Die Hinweisschilder, dass hier kein Obst eingeführt werden darf (Fruchtfliegen) und strenge Kontrollen durchgeführt werden, waren jedoch umso größer. Also hatte ich nur 2 Möglichkeiten… die drei Bananen in meinem Rucksack noch am Gepäckband verspeisen (würg) oder mich dumm stellen und weder spanisch noch englisch verstehen. Eine Banane hab ich geschafft, dann hab ich’s einfach drauf ankommen lassen….Und tatsächlich, die Offiziellen hier waren nicht halb so fleißig wie ihre Kollegen, die mir in México, D.F. die Äpfel abgenommen hatten. Kontrollen??? Nix dergleichen passierte. Also blieben mir meine Bananen noch ein Weilchen erhalten. Vor dem Flughafengebäude stand auch gleich ein Taxi bereit, welches wir uns jedoch mit zwei weiteren Touristen teilen mussten. Dass wir aber nicht den halben Preis bezahlt haben, werde ich in ein paar Tagen feststellen können. Da hat der Taxifahrer wieder gut an uns verdient… Los Mochis ist größer, als ich dachte, aber warm, sonnig, trocken und ziemlich staubig. Unser Hotelzimmer war trotz des geringen Preises auch in Ordnung und wir mussten auch nur 15 Minuten in der Empfangshalle warten.

Los Mochis - "Ort der Landschildkröten"
liegt an der Pazifikküste Mexikos in einer fruchtbaren Ebene des "Valle de Fuerte" und des "Carrizo" im Bundesstaat Sinaloa. Los Mochis, ca. 270.000 Einwohner, ist zwar eine moderne Geschäftsstadt mit Banken, Geschäften, Restaurants und Märkten, ansonsten aber hat die Stadt wenig zu bieten.
Der durch Zuckerrohr zu Reichtum gelangten Geschäftsmann Benjamin Johnston hatte 1893 im heutigen Los Mochis eine Zuckerrohrmühle mit entsprechenden Feldern gegründet, die Firma hieß "United Sugar Company". Der Zucker wurde über den benachbarten Hafen von Topolobambo verschifft.
Am 20.04.1903 erfolgte dann die offizielle Errichtung der Stadt Los Mochis, deren wirtschaftlicher Erfolg bis heute auf der sie umgebenden Landwirtschaft basiert.

Zunächst stand nun der Kauf der Boletos für unsere morgige Reise mit dem Chepe auf dem Programm… also das nächst beste Reisebüro angesteuert. Leider gab’s hier keine, sodass der nächste Taxifahrer mit uns Geld verdiente. Wir mussten nämlich südlich raus aus der Stadt, um die Tickets direkt am Bahnhof zu kaufen. Da das Ticketoffice samstags nur von 09:00 bis 12:00 geöffnet ist, haben wir unbewusster Weise die richtige Entscheidung getroffen, als wir uns entschlossen, uns erst um die Tickets und dann um was Essbares zu kümmern.
Am Ticketschalter:
„Wo ist denn der Unterschied zwischen der ersten und der zweiten Klasse?“ (Dämliche Frage, ich weiß, aber wir sind Touristen, wir dürfen das)
„Wo der Unterschied ist? Im Preis!“ (Ach nein, das hätten wir allein nie rausbekommen, wo doch die Preistafel riesengroß vor unserer Nase hängt)
„Ja, das wissen wir, aber wo ist der Unterschied in der Leistung?“
„Die erste Klasse hat ein Restaurant… die zweite nur einen Snackverkauf.“ (Ok, Restaurant ist eh wieder touristisch überteuert und Sandwichs passen doch viel besser zu so einer Tour)
„Ist das alles?“
„Nein, die erste Klasse fährt eine Stunde früher los, hat weniger Haltestellen und ist somit in Summe eine Stunde schneller und 2 Stunden früher da.“ (bei einer 12-stündigen Fahrt ist die eine Stunde mehr oder weniger doch auch egal, oder?)
„Was ist mit den Sitzplätzen? Ist die 2. Klasse wirklich die Holzklasse?“
„Nein, die Waggons sind die gleichen wie die der ersten Klasse.“ (ohne Worte)
Zusammenfassung: Wir sollen für eine Stunde schneller sein, eine Stunde früher aufstehen und ein Touri-Restaurant mit überteuertem Futter (nicht im Preis inbegriffen) den doppelten Preis bezahlen. Wer bitteschön hat sich dieses Konzept ausgedacht?
Schon klar, dass wir die 2. Klasse-Tickets für 425 Peso denen für 800irgendwas Peso vorgezogen haben, oder?
Vom Bahnhof zurück in die Stadt wollten wir das Geld fürs Taxi sparen und sind nach dem Motto: irgendwann kommt bestimmt so ein Hop-on-Hop-off-Bus vorbei... losgelaufen durch die staubigen, sandigen Strassen der ein bisschen nach Western aussehenden Stadt. Stimmt, es kamen 2 oder 3 Busse vorbei, aber die fuhren alle in die falsche Richtung, sodass wir uns nach einem ordentlichen Fußmarsch in der knalligen Sonne unser Frühstück mehr als verdient hatten. Nun galt es nur noch, ein Restaurant mit entsprechendem Angebot zu finden… oder besser gesagt, überhaupt ein Restaurant zu finden. Diese gibt es scheinbar wirklich nur im direkten Zentrum in der einen großen Hauptstrasse. Schlussendlich speisten wir (frühstücken kann man dazu schon nicht mehr sagen) im España am Buffet für mehr als faire 99 Peso todo incluido.
Da man die touristischen Sehenswürdigkeiten dieser Stadt an 5 Fingern abzählen kann, wollten wir wenigstens durch den Stadtpark spazieren, welcher zwar sehr schön ist und in Verbindung mit dem strahlenden Sonnenschein Urlaubsfeeling in uns aufsteigen ließ, gleichzeitig aber noch im Bau und relativ klein ist, sodass wir ihn nach wenigen Schritten bereits wieder verließen. Also ging’s zurück zum Hotel, um die Badesachen zu packen und an der Rezeption nach dem Bus in Richtung Topolobambo (Hafenstadt) zu fragen.
„Ja, da und da… braucht ca. 15 Minuten“ … Aha, 15 mexikanische Minuten, also planten wir schon einmal eine halbe Stunde ein.
Den richtigen Pesero-Bus hatten wir schnell gefunden und sind dann mit offenen Fenstern durch die staubtrockene Landschaft gebraust… über Topolobambo ging’s zur Playa Maviri… eine Stunde und 15 Minuten waren wir unterwegs… soviel zu der vorhergesagten viertel Stunde… Ich glaube langsam, Mexikaner sein und Zeitgefühl haben, das schließt sich gegenseitig aus. Das Dorf macht nicht viel her, es gibt nur ein paar herunter gekommene Restaurantbuden direkt am Strand des „Sees“. Wir waren nämlich nicht wie gehofft am Meer gelandet, sondern sahen hier nur so einen Ableger davon. Deshalb beschlossen wir, mit dem 16:00-Bus, also eine Stunde später, wieder zurück zu fahren. Während wir gemütlich am Strand entlang spazierten und die frische Luft genossen, wurden wir von einer Gruppe Jugendlicher angequatscht. Während uns die einen in ein Gespräch verwickelten, versuchten die anderen, unauffällig und gerade deshalb sehr auffällig außerhalb unseres Blickfeldes an unsere Rucksäcke zu gelangen. Da sie aber bereits durchschaut waren, tänzelten wir nun schön im Kreis… nach dem Motto, du kommst ein Stück näher, also geh ich ein Stück weiter… der Fotoapparat war eh schon sicher in meiner Hosentasche verschwunden. Kurze Zeit später gaben sie es auf und ließen uns in Ruhe. Wir waren gerade auf der Suche nach einem leckeren Eis, als ich durch Zufall hinter einem Hügel auf der anderen Seite das „richtige“ Meer entdeckte… wir waren halt einfach in die falsche Richtung gelaufen…soll bei mir ja angeblich öfter mal vorkommen.
Also fielen wir am richtigen Strand in das erstbeste Openair-Restaurant, um die noch verbleibende halbe Stunde eine Margarita schlürfend, in der Sonne sitzend mit Blick aufs Meer zu verbringen. Die Barkeeper brauchten aber mit dem Mixen sooo lange (haben wahrscheinlich erst einmal mit Mama telefoniert, um zu fragen, wie das geht), dass bereits der Bus vorfuhr, als sie die Mischung in die Riesengläser füllten. Der gemütliche Teil des Nachmittages musste somit ausfallen. Die Margaritas in jeweils 2 Plastebecher umgefüllt ging’s im Sprint (soweit das mit 2 vollen Bechern in der Hand überhaupt möglich war) in Richtung Bus. In die engen Sitze gequetscht schmeckt das Ganze zwar nur halb so gut wie an einem Sandstrand, aber die Aktion trug sehr zur allgemeinen Erheiterung bei (schließlich sah es für die anderen so aus, als hätten wir jeder 2 Getränke bestellt und das am helllichten Nachmittag) und die ließ uns großzügig darüber hinwegsehen, dass unser Getränk während seiner Produktion an seinen eigentlichen Bestandteilen relativ weit vorbeigelaufen war, dagegen beim Bestandteil Eis einen langen Zwischenhalt gemacht hat.
Zurück im Hotel gab’s Julia zuliebe (ja, mit fast 30 ist Frau nicht mehr die Jüngste) eine kurze Pause zum Füße hochlegen, bevor wir uns auf die Suche nach einer Panaderia machten. Wir brauchten ja noch Verpflegung für die 12 Stunden-Zugfahrt morgen. Als wir nach langem Suchen endlich genügend zusammengetragen hatten, gab es noch lecker Abendbrot bei Burger King. Hier haben wir mal wieder ein Musterbeispiel an fehlender Erziehung erleben dürfen… Die Kiddies (zwischen 10 und 12 Jahre alt) beschmissen sich gegenseitig mit allem, was sie so auf ihrem Teller bzw. Tablett hatten. Und als es leer war, flog das Tablett halt hinterher. Es sah aus wie im Saustall… und was macht der Putzmann? Steht ruhig daneben und wartet ab… sagt keinen Ton… als die Kiddies das Restaurant verlassen, macht er den Dreck stillschweigend weg. Ich an seiner Stelle hätte den Gören ihren Burger um die Ohren geschmiert… naja, andere Länder, andere Sitten…
Um 19:00 waren wir dann zurück im Hotel und jetzt um 20:30 bin ich auch schon zum Umfallen müde… Julia pennt schon fast, also werde auch ich jetzt ins Bett kriechen…

Keine Kommentare: