Mein Informationsjahr in México 2008

Wochenende KW 16: Besuch aus Chicago - Nachtrag

2008-04-19 Puebla und Cholula

Nach einem angemessenen Frühstück (Mein Gast ist von der anspruchsvollen Sorte und lässt sich nicht mit Toastbrot abspeisen. Ich musste den anstrengenden Weg 5 Stockwerke runter und über die Strasse bis zum Globo stiefeln, um mit frischen Croissants aufwarten zu können… mit halb geschlossenen Augen ist die Kreuzung vor meiner Tür lebensgefährlich (Im Berufsverkehr ist sie das auch bei voller Aufmerksamkeit)… ich hoffe, Anja, du weißt meine Bemühungen zu schätzen ;-)) und einer halben Ewigkeit, in der Anja sich nicht entscheiden konnte, ob nun kurze Hose oder doch lieber halblang, sowie unter lautstarken Beschwerden, dass die von mir besorgte Wasserflasche (1,5 l) ja sooo schwer sei, machten wir uns per Metro und Luxusbus (Fernseher und Klo müssen schon sein… und 80 Cent mehr als für den „normalen“ Bus… gibt die Urlaubskasse gerade so her ;-) auf in Richtung Puebla und Cholula.
Knapp zwei Stunden lang geht es natürlich wieder als Beifahrer ganz vorn durch die Landschaft.
In Cholula ging’s dann über den Zócalo und vorbei an den vielen Kirchen – in 2 der 3 (Ich hab’s nicht so mit Kirchen) haben wir sogar hinein geschaut und durften kurzzeitig auch an einer Hochzeit teilnehmen – zur Pyramide.
Nachmittags sind wir noch durch das Zentrum von Puebla geschlendert und haben uns in einem Straßencafé direkt am Zócalo mit meinen geliebten Malteadas gestärkt und das bunte Treiben beobachtet. Anja wäre am liebsten hier geblieben und hätte die vielen kleinen Käfer, die in allen Farben und technischen Zuständen die Straßen bevölkern, fotografiert. Ist aber auch sehr schön, das Zentrum… Leider haben wir durch unsere Kaffepause den letzten Touribus um 17:00 verpasst und mussten auf unsere Stadtrundfahrt verzichten.

2008-04-20 Stadtrundgang und Sklaventreiberei

Heute haben wir die typische Touri-Runde in D.F. gedreht und im Parque Chapultepec Treetboot fahrend den Nachmittag genossen. Highlight war eindeutig meine zugegebenermaßen ein bisschen gemeine Aktion, Anja durch die Markthallen zu führen. Die Obst- und Gemüsehalle ist zwar interessant, aber relativ unspektakulär. In der Fleisch- und Fischhalle mit 95% männlichem Verkaufspersonal der unteren Bildungsschicht brach jedoch das Gepfeife und Gejohle los, kaum dass wir die Halle betreten hatten. Ich wusste ja bereits, was passieren würde, aber Anja war doch ziemlich geschockt und schlurfte mit gesenktem Kopf (damit Mann wenigstens nur die blonden Haare und nicht auch noch die blauen Augen sehen konnte) in ihren FlipFlops hinter mir her durch die Fleisch- und Fischabfälle, Blut und Abwaschwasser… Ich würde sagen, sie war mehr als froh, dass wir nur den kurzen Rundgang gemacht haben… Es ist aber auch ein komisches Gefühl, wenn die Fleischerjungs mit Schlachtermesser in der Hand und blutverschmierter Schürze einen angaffen als wäre man genau das, was sie tagtäglich verkaufen… ein Stück Fleisch.
Um 20:00 hieß es dann für mich: Antreten im Büro (hier braucht man für Sonntagsarbeit übrigens keine Sondergenehmigung, um das Gelände betreten zu dürfen) zur letzten großen Durchsprache der LoA-Dokumente für das größte Angebot, das hier bei I&S in Mexico je auf dem Tisch lag, damit wir in dem morgen früh um 04:30!!! stattfindenden Conference Call mit Deutschland ein klares „BID“ zu hören bekommen. Wie immer waren um 20:00 natürlich noch lange nicht alle Dokumente fertig, sodass sich alles in die Länge zog. Um 00:10 verließen wir endlich völlig alle das Siemens-Gelände (nach 24:00 wird man dann doch auch hier in Mexico registriert).

2008-04-21 1. Friseurbe- (ver-)such und Abendessen in San Angel

Gegen 16:00 schaut Chef mich an und sagt, geh besser heim… Hm, offensichtlich sehe ich genauso toll aus, wie ich mich fühle…total alle
Ich weiß echt nicht, wie das Kern-Projektteam diesen Arbeitsmarathon seit nun schon mehr als 3 Wochen ununterbrochen überlebt.
Die so gewonnenen 2 Stunden Freizeit nutze ich denn auch gleich pflichtbewusst, um die Tickets für den Shuttlebus nach Toluca am Samstag zu kaufen und endlich zum Friseur zu gehen. Dass ein Friseurbesuch hier spottbillig ist, kann man sich, glaube ich, fast denken. Inklusive Waschen, dem ganzen Zeug, dass man sich hier so für gewöhnlich in die Haare schmiert und schicker Fönfrisur nicht einmal 9 Euro. Für den ersten Versuch ist es auch ganz OK geworden… Da ich morgens jedoch keine Lust auf ewige Fönaktionen mit allem Pipapo habe, sieht’s wieder so aus wie vorher, nur ein Stück kürzer ;-)
Nun ja, als ich dann völlig erschlagen daheim ankomme, öffnet mir mein gut gelaunter Besuch die Tür und drängelt mich quasi rückwärts wieder raus (na gut, ganz so schlimm war’s nicht… ich durfte vorher gnädigerweise noch duschen) in Richtung San Angel (Entfernung: gute halbe Stunde mit der Metro und ein paar Schritte zu Fuß). Wir spazierten also ein wenig (im Nieselregen übrigens) durch einen der schönsten Stadtteile von D.F., bevor wir in ein gut aussehendes Restaurant einkehrten. Gelandet waren wir in einem schicken Asiaten mit Rundumversorgung samt Stühlerücken und Serviette ausbreiten… Die Kellner standen immer in Sichtweite und wenn wir das Servierte verspeist hatten, wurde sofort nachgefüllt. Das Essen und die Cocktails waren auch super. Insgesamt also dann doch noch ein entspannter Abend, der nach einer ewigen Rückfahrt im Metrobus dann mit „Fotos gucken“ endete. Wobei ich zugeben muss, Anja hat Fotos geguckt… ich habe bereits halb schlafend im Bett liegend nur dumme Kommentare abgeliefert.