Mein Informationsjahr in México 2008

KW 23: Wochenende in der ältesten Stadt Mexikos

Da die Urlaubsberichte Yùcatan in Gemeinschaftsarbeit entstehen (ich schreibe, Jens prüft, ob ich das so veröffentlichen darf), dauert es etwas länger. Deshalb habe ich beschlossen, die Berichte von meinem Wochenende in Veracruz dazwischen zu schieben, bis es Neues aus Yùcatan gibt.

Mehr Glück als Verstand - oder - Nervenkitzel am Freitagabend
Freitagnachmittag, 17:30 und ich sitze immer noch in diesem besch… Meeting… und kann nicht weg… In den ganzen 4 Monaten, die ich jetzt schon für die Organisation und Durchführung dieses freitäglichen 15:00-Vergnügens verantwortlich bin, hat noch nicht eines dieser Reviews länger als eine Stunde gedauert… doch ausgerechnet heute kommt alles zusammen… 4 LoAs, davon 2 mit absoluten Neulingen auf diesem Gebiet, denen man alles doppelt und dreifach erklären muss… gut, also eben 2 Stunden veranschlagt… immer noch kein Problem… dann wäre es um 5 vorbei gewesen… aber nein, Cheffe kommt noch fast eine Stunde zu spät… und schon steht Antje vor einem Riesenproblem...
Um 19:20 hebt mein Flieger in Richtung Strand und Sonne ab… am Flughafen von D.F. natürlich… an einem Freitagnachmittag braucht man normal so 30 bis 40 Minuten dort hin… ok… soll also alles noch schaffbar sein… keine Panik…
17:40… immer noch in Konferenz… 17:45… Antje fragt vorsichtig bei Cheffe an, ob sie ihren Flug stornieren soll oder vorzeitig gehen darf (schon unangenehm, wenn man seine eigene Veranstaltung vorzeitig verlässt) Die bissigen Kommentare lassen auch gleich durchblicken, was er von meinem „Schon-wieder-Urlaub“ hält… 17:46… 17:47…. Ein Glück, in Guatemala geht keiner mehr ans Telefon, da wir sooo unpünktlich waren, sind die einfach mal nach Hause gegangen… JUHU!!!
PC unausgeschaltet in den Schrank geschmissen, Rucksack und Tasche geschnappt und mit den besten Wünschen der mitfühlenden Kollegen im Ohr losgerannt… Ich bin Optimist… also musste ich es versuchen… 17:50… noch 1,5 Stunden bis zum Start… also geschätzte 45 Minuten, um rechtzeitig am Flughafen zu sein… Ein Taxi war auch schnell gefunden… aber wer saß da hinterm Steuer??? Eine Frau!!! Die erste Taxifahrerin, die ich hier sehe… ausgerechnet heute, wo ich so nen rasenden, drängelnden Obermacho gebrauchen könnte… Sie versprach mir aber, sich zu beeilen (also auf ihre Schminkrituale nebenbei zu verzichten)… Gleichzeitig machte sie mir wenige Hoffnung, da sich auf der Hauptzufahrtsstrasse (im Normalfall stadtautobahnähnlich) eine kilometerlange Baustelle befindet, an der sich der Feierabend- und Wochenendverkehr im Schnecktempo vorbeischiebt.
So war es denn auch…den Grossteil der Strecke legten wir in nur knapp 10 Minuten zurück und ich wollte mich schon entspannt zurücklehnen… aber dann kam das buchstäbliche dicke (Stau-) Ende… Minute um Minute verging, ohne, dass wir auch nur einen Meter vorwärts kamen… Es ist 18:40 als wir die Enge endlich hinter uns lassen und in Richtung Terminal 2 düsen… Um 18:50, also eine halbe Stunde vor Abflug (nicht vor Boarding) steh ich am Check-In… Die Dame guckt auf die Uhr, schüttelt den Kopf und meint was von, „ich glaube nicht, dass das noch geht“… Ich Computer verriet ihr dann, dass ich noch mit darf, allerdings kein Gepäck mehr einchecken kann… Hm… na gut, mit der Anzahl der Handgepäckstücke nimmt man es hier ja eh nicht sooo genau, also Ticket geschnappt und losgerannt in Richtung Sicherheitskontrollen. Schnell noch das Taschenmesser, welches sich im Rucksack befand, entsorgt (zum Glück keine schweizer Markenware, also ein verschmerzbarer Verlust) und piepsfrei durch die Kontrolle spaziert.
Am Gate 75 fingen sie grad an, die Tickets einzusammeln und dafür Nummern auszuteilen (mexikanische Eigenart, damit sie wissen, wann alle da sind und das Boarding sich lohnt). Im Normalfall dauert es jetzt noch gute 15 Minuten, bis man an Board gehen kann… Genug Zeit also, um sich beim Starbucks um die Ecke noch mit einem Frappuchino zu versorgen… dachte Antje… da kannte sie aber auch den Kaffeefritzen noch nicht, der dann erst eine neue Milch aus der hintersten Kühltruhe holen und das Pulver anrühren musste, welches in die Maschine kommt… 10 Minuten später hab ich endlich mein Getränk und stürme zurück zum Gate, wo keiner mehr ist… Am Schalter nachgefragt… nein, das Boarding ist längst beendet… Bitte? In Mexiko? So schnell? Ich war doch nur 10 Minuten weg.
Tja, sie ruft denn noch freundlicherweise durchs Telefon… und tatsächlich… die Tür der Maschine ist noch offen, da sie ein kleines technisches Problem beheben müssen… also durfte ich noch mit… ganz allein wurde ich mit so einem Bus quer übers Rollfeld zum Flugzeug kutschiert, wo ich vom Personal breit grinsend in Empfang genommen wurde… schon peinlich… allein das Zuspätkommen wäre ja noch ok, aber Zuspätkommen mit nem vollen Starbucksbecher in der Hand??? Da denkt sich jeder seinen Teil… und das passiert ausgerechnet mir… der Pünktlichkeit in Person…
Nun ja, jedenfalls sitze ich jetzt im Flieger und schlürfe genüsslich mein wohlverdientes Kaltgetränk…
Kurze Zeit später fliegen wir durch ein richtig schönes Gewitter, es wackelt und rumpelt, die hellen Blitze zucken um uns rum und irgendwas knallt an die linke Tragfläche (schön erschrocken haben wir uns ;-)… es scheint allerdings nichts kaputt gegangen zu sein, denn wir landen relativ pünktlich in Veracruz am mexikanischen Golf. Empfangen werde ich von tropischer Hitze und einem ordentlichen Regenguss… Mit dem Taxi ging’s in die Stadt in mein auserwähltes aber zum Glück noch nicht gebuchtes Hotel. Hier nämlich half mir wieder einmal der Name meines Arbeitgebers dabei, ein bisschen Geld zu sparen. Ich musste die Hotelkarte ausfüllen und hab dann einfach bei „Empresa“ Siemens eingetragen, daraufhin flüsterte der Tresenmensch mit seinem Vorgesetzten (hab nur „es de Siemens“ verstanden“) und schon wurden aus den 510 Peso pro Nacht 390… hihi… mir soll’s recht sein. Einen Nachweis der Firmenzugehörigkeit wollten die übrigens nicht sehen.
Das Zimmer war zwar nicht allzu doll und hatte auch nicht den erhofften Blick aufs Meer, aber es war sauber und zum schlafen reicht’s allemal. Gegen 21:30 ließ ich mir an der Rezeption einen riesigen abwaschbaren !!! Stadtplan geben und brach zu meiner ersten Erkundungstour in Richtung Zentrum auf. Selbst jetzt im Dunkeln konnte man schon erkennen, dass die älteste Stadt Mexikos ein sehr schönes Stadtzentrum hat… Ich fiel in den nächstbesten Mc Dreck um mir ein paar Pommes (ob nun in Fett geschwenkte Tacos oder Pommes… kommt doch aufs Gleiche raus) zum Abendessen zu gönnen und genoss dann die Livemusik in einer der Seitengassen. Ich find’s immer toll, wenn die Menschen trotz der unerträglichen schwülen Hitze einfach so auf der Strasse tanzen. Hab zum Beispiel ein älteres Ehepaar gesehen, welches grad vom Einkaufen kam (hier haben die Supermärkte mindestens bis 23:00 auf). Kurzerhand wurden die vielen Tüten in die Ecke gestellt und man schwang 2 oder 3 Titel lang das Tanzbein, bevor man den Heimweg fortsetzte. Das ist die lateinamerikanische Lebensart… hier in der Freizeit gefällt sie mir…