Mein Informationsjahr in México 2008

Urlaub Yúcatan: Freitag, 02.05.2008

Antje im Gefängnis namens Mexiko
Heute starteten wir (trotz negativer Vorahnungen meinerseits) den Versuch, die Grenze nach Belize zu passieren und dem kleinen Nachbarstaat Mexikos einen Besuch abzustatten. Naja, eigentlich nur, damit Jens den heiß begehrten Belize-Stempel in seinen Pass gedrückt kriegt.Da unser Mietwagen (wie wir später feststellen werden, ist er nicht der einzige) nicht ausreisen darf (Hmmm… Warum nur???), nutzen wir den Bus, der seine Fahrgäste täglich mehrmals von Chetumal bis zur Grenze bringt, sie dort absetzt und auf der anderen Seite nach der Passkontrolle wieder einsammelt. Und hier fahren nicht irgendwelche Busse, nein, es sind die uralten, ausgemusterten Schulbusse der Gringos, die sich hier nach Eintritt ins Rentenalter noch nützlich machen, bis sie auf dem Schrott landen. Bis zur Passkontrolle geht auch alles glatt… Wir wissen ja bereits, dass mein Visum immer noch in der Migration liegt, da man mit der Registrierung hier nicht ganz so schnell ist (Ich bin ja erst 4 Monate hier, soll also mal bitteschön keinen Stress machen). Aber einen Versuch ist es wert, also reiche ich dem Grenzoffiziellen meinen Pass… Als dieser mich nach meiner Touristenkarte fragt, verneine ich mit dem Hinweis darauf, dass ich ein Arbeitsvisum habe und zeige ihm den entsprechenden Aufkleber im Pass. Darauf will er eben jenes grüne Heftchen sehen, welches noch in der Migration liegt. Als ich ihm das erkläre, schüttelt er nur den Kopf und sagt, dass ich das Land so lange nicht verlassen darf, bis ich ordnungsgemäß registriert bin… ich hatte es ja geahnt… Tja, Pech gehabt… Wird Jens wohl allein nach Corozal weiterreisen müssen. Also drück ich ihm die Kamera in die Hand und mache mich mit einem anderen Bus auf den Weg zurück nach Chetumal.

Wenn Deutsche Deutsche nicht verstehen
Im Bus werde ich auch prompt (kaum ist Frau allein unterwegs ;-) von zwei hellblonden, blauäugigen Männern angesprochen, ob ich aus Deutschland komme… Sie selbst sind Abkömmlinge von damals ausgewanderten Deutschen, die seit Ewigkeiten in Mexiko und Belize in „deutschen Dörfern“ leben und auch die deutschen Bräuche (oder das, was sie dafür halten) pflegen. Fakt ist, wir unterhalten uns auf Deutsch und ich verstehe kein Wort. Die beiden sprechen halt Deutsch, wie es sich hier seit damals durch Überlieferung an die nachfolgenden Generationen entwickelt hat. Und das hat mit unserer Sprache relativ wenig zu tun. Hätten die beiden sich, ohne mich anzusprechen, direkt neben mir unterhalten, ich hätte nicht einmal mitbekommen, dass sie deutsch reden…In Chetumal angekommen spaziere ich in der brüllenden Hitze den Malecon entlang, genehmige mir einen Milchshake und hänge dann noch einen kleinen Stadtrundgang dran, indem ich zu Fuß vom Malecon bis zum Hotel laufe. In dieser Stadt gibt es halt absolut nichts Spannendes…

Was Süßes zum Nachtisch?
Jens hat bereits nach 2 Stunden die Schnauze voll und schlägt am frühen Nachmittag im Hotel auf, sodass wir noch weiterfahren können in Richtung Laguna Bacalár, oder auch Laguna de Siete Colores. Hier finden wir nach einigem Suchen ein nettes Hotel samt Bungalow direkt am See auf einer Anhöhe. Das einzige Geräusch ist das Plätschern der seichten Wellen… ansonsten ist es hier völlig entspannt… Nach einem kurzen Bad und ein bisschen Rumsitzen auf der Terrasse mit Seeblick geht es wieder einmal auf Nahrungssuche… zu Fuß… „Bis ins Zentrum ist es ja nicht weit“ (O-Ton Jens)… Meine an dieser Theorie geäußerten Zweifel werden abgetan und schon befinden wir uns auf der einsamen Dorfstraße, die vom Hotel ins Zentrum führt. Irgendwann kommt die Frage, ob das tatsächlich soooo weit gewesen sei… Wir waren mittlerweile nämlich schon mehr als eine Stunde unterwegs und vom Zentrum war immer noch nichts zu sehen… „Ich hab’s ja gesagt… Aber auf mich hört ja keiner… und schon gar nicht in Fragen der Orientierung…“ Zurück, da zumindest sind wir uns einig, leisten wir uns ein Taxi“… unser Auto steht ja am Hotel.Das Essen im Restaurant war, sagen wir mal, „essbar“, mehr aber auch nicht… Das fanden auch die Damen mittleren Alters im viel zu kurzen, leichten Sommerkleid mit tiefem Ausschnitt am Nachbartisch und hatten sich mit gierigen Blicken schon Jens als potentiellen Nachtisch ausgeguckt… *grins* Irgendwie war das Interesse jedoch nicht zweiseitig, und so durfte ich wieder mit ins Hotel fahren…Nachts war’s dann vorbei mit der Idylle am See… Es war eine Gruppe supercooler Halbstarker angereist, die nun mitten in der Nacht nichts Besseres zu tun hatten, als sich auf den Hollywoodschaukeln breit zu machen und lauthals zu singen und zu diskutieren… Gute Nacht! An Schlaf war nicht zu denken, also Wasserflasche geschnappt, auf Balkonien bequem gemacht und über den See geschaut… Wie in alten Zeiten… Am See sitzen und dem Wellenplätschern zuhören…