Flucht
Da das Wetter hier in der Hauptstadt Seit 3 oder 4 Wochen durchgängig miserabel und mir in den letzten Tagen zusammen mit dem Smog extrem aufs Gemüt geschlagen ist (dicke graue Wolken, Regen, Regen, Regen und Temperaturen, die mich dazu bewogen haben, meine dicken Pullover herauszukramen), habe ich kurz entschlossen mal wieder einen Flug ans Meer gebucht. Freitag Abend um kurz vor 22:00 (ich habe aus der letzten Hetzjagd zum Flughafen gelernt und den späteren Flug gebucht) saß ich mit dem einzigen Vorhaben, mir ganz entspannt ein bisschen Sonne auf den Bauch und ins Gemüt scheinen zu lassen, im Flugzeug in Richtung Puerto Vallarta, der größten Pazifikbucht Mexikos und nach Acapulco einem der beliebtesten Ziele der Gringos. Als ich in meinem Hotel ankam, schlug die Kirchturmuhr am Zócalo, welche ich von meinem Balkon aus sehen konnte, gerade Mitternacht. Die „Gongs“ wurden jedoch lautstark übertönt von den Kneipen und Discotheken der dicht bevölkerten Partymeile, tagsüber auch bekannt als Strandpromenade der Altstadt, die ebenfalls in Sichtweite und vor allem in Hörweite meines Zimmers liegt. Nun ja, die Tatsache, dass ich trotzdem sofort eingeschlafen bin, kaum, dass mein Kopf auf dem Kissen lag, gibt mir zu denken… Ich muss wohl doch ziemlich fertig gewesen sein… ;-)
Bloss kein Stress - es ist Wochenende!
Nach komplett durchgeschlafenen 8 Stunden nutze ich die morgendliche „Frische“ (tagsüber sind hier über 30 Grad) und jogge, gelegentlich angefeuert durch rumhängende Gestalten, gemütlich die Promenade entlang, um mir einen ersten Überblick zu verschaffen. Eigentlich kann ich morgendlichem Training vor dem Frühstück ja nicht allzu viel abgewinnen, aber die frische Pazifikluft und die noch tief stehende Sonne vor der Kulisse der langsam erwachenden Altstadt sorgten für genug Motivation, um den Trainingsrückstand dieser Woche auszugleichen (Ja, in den vergangenen 4 Wochen habe ich es tatsächlich geschafft, mich ohne fade Ausreden und an einen Trainingsplan zu halten.)
Gegen 10:30 machte ich mich dann im Open Air Restaurant des Hotels (direkt am Meer) über das Frühstücksbuffet her und studierte nebenbei die Touristeninfo, um meinen Tag zu planen. Naja, eigentlich gab es nicht viel zu planen… ein kleiner Spaziergang durch die Altstadt und ein Buch-Lese-Nachmittag (mein erstes Buch auf Spanisch, dass nicht aus der Kinderbuchabteilung stammt…Weltliteratur von Julio Verne, wie er hier heißt, „La vuelta al mundo en 80 días“) am Pool mit Blick aufs Meer.
Am späten Nachmittag ging’s dann wieder (mittlerweile schon mit roter Nase) auf die Promenade… ein bisschen umherschlendern und den Künstlern zuschauen.
Helden in Rot
Und dann passierte es… eines der voll besetzten Touristenboote ging mitten in der Bucht in Flammen auf… zunächst gab’s nur dicke schwarze Rauchwolken und man konnte sehen, wie die Touristen sich in voller Montur durch einen Sprung ins Wasser retteten. Die in der Bucht umherdüsenden Speedboote, Banana-Boote und Lancias sammelten die triefenden Gestalten ein und brachten sie an Land, bevor die Flammen das Boot komplett in Besitz genommen hatten… Von der alarmierten Feuerwehr übrigens immer noch weit und breit nix zu sehen. Und als dann endlich (nach ner knappen viertel Stunde – man könnte meinen, Vallarta sei eine Großstadt -) die Sirenen ertönen, muss ich mich zusammenreißen, um nicht zu lachen… Da kommen die – typisch Mexikaner - im Feuerwehrauto!!! Erwähnte ich bereits, dass das ein Boot mitten in der Bucht, also draußen auf dem Wasser ist, das in Flammen steht??? Die Bomberos, wie die Feuerwehrmänner lustigerweise auf Spanisch heißen, stehen nun inmitten der Schaulustigen auf der Promenade und wissen nicht weiter. Kurze Zeit später kommt eines von den privaten Speedbooten ans Ufer… natürlich nicht bis aufs Trockene… sodass die Jungs gezwungen sind, sich ihrer Schuhe und Handys zu entledigen und samt Löschequipment zum Boot zu waten… eh der erste sich dazu durchgerungen hatte, waren weitere 5 Minuten vergangen… von dem Touristenboot waren mittlerweile nur noch brennende Reste übrig, welche sie schlussendlich heldenhaft löschen und mit Hilfe eines Rettungsschwimmerbootes abschleppen konnten.
Den Abend verbrachte ich dann eher untypisch für diesen Ort, eben nicht in einer der Kneipen, sondern durch die Menge schlendernd draußen auf der Promenade… einerseits mitten drin im Getümmel, andererseits aber auch weit genug weg, um gleichzeitig das schrille Gewirr der Stadt und die ruhigen, dunklen Wogen des Meeres genießen zu können. Diese Mischung lässt sich schwer beschreiben, also verzichte ich besser drauf.
Den Sonntag verbrachte ich dann ähnlich wie den Samstag mit ein bisschen Sport, lesend, (diesmal im Schatten) dösend und durch die Gegend spazierend, allerdings ohne Katastrophen, bis um kurz vor 22:00 dann mein Flugzeug abhob, um mich zurück ins verregnete D.F. zu bringen.
Nächtliches Amüsement mit der Polizei
Dort angekommen wurde ich auch gleich freudig in Empfang genommen… von einem nachtaktiven Vertreter der Spezies Polizist Anfang 30, der ganz offensichtlich auf der Suche nach ein bisschen Abwechslung in seiner langweiligen Schicht war und diese Abwechslung nun in Form einer Touristin an ihm vorbei in Richtung Ausgang schlurfen wollte. „Darf ich bitte Ihre Identifikation sehen?“ Oh nein, nicht das noch…warum ausgerechnet ich? Das war doch ein Inlandsflug, da wird nicht kontrolliert. Alle anderen verlassen den Sicherheitsbereich, ohne angequatscht zu werden, aber das sind ja auch Latinos und Latinas… die sind ja uninteressant. Also reich ich ihm meinen Pass und warte ab…
„Die Touristenkarte? Warum haben Sie keinen Einreisestempel?“ Hm… weil da auf der Seite, die du Depp grad geöffnet hast mein FM3 Visum bestätigt und abgesegnet ist und ich somit kein Tourist bin? „Wo ist das Visum?“ Na das trag ich natürlich nicht im Original mit mir herum, wenn ich im Inland unterwegs bin… und reiche ihm die Kopie des Visums… „Nein, das reicht so nicht, Sie müssen sich im Original ausweisen können!“ Hey, du hast doch meinen Originalreisepass mitsamt der dort eingetragenen Originalbestätigung (sogar in Farbe), dass ich im Besitz eines registrierten Visums und somit legal im Land bin?!?... „Was machen Sie hier? Wo wohnen Sie? Wann sind Sie hier angekommen? Wie lange bleiben Sie?“ Die Antworten spar ich mir an dieser Stelle…Es fiel mir angesichts dieser offensichtlichen Willkür sehr schwer, höflich zu bleiben. Wir diskutieren jedenfalls schön rum und ich versuche ihm zu verklickern, dass mir in der Migration geraten wurde, nur die Kopie mit mir herumzutragen, solange ich nicht vorhabe, das Land zu verlassen. Ich weiß nicht, wie oft ich ihm das erzählt habe, bevor sich einer seiner Kollegen zu uns gesellt und fragt, ob es irgendein Problem gibt? Jaaa, das Problem heißt „Fehlinformierte, übereifrige Intelligenzbestie“. So hab ich ihm das natürlich nicht gesagt… das spanische Wort für Intelligenzbestie kenne ich leider nicht. Der hinzugekommene Polizist bestätigt dann endlich, dass die Kopie des Visums ausreichend ist, lässt es sich aber trotzdem nicht nehmen, meinen Pass noch einmal gründlichst zu prüfen (Hatte ich schon erwähnt, dass ich einen nagelneuen Pass habe, der außer dem mexikanischen Visum nicht einen einzigen Stempel enthält? Was bitteschön prüfen die so lang?) Als er dann ausgiebig mein Foto studiert und sich amüsiert in der Aussprache meines Namens übt, nehme ich mir vor, in meinem nächsten Spanischunterricht sarkastische Ausdrücke zu lernen. „Wo wollen Sie jetzt hin?“ fragt er mich, als er mir meinen Pass endlich wieder aushändigt. Hm… mal überlegen… es ist Sonntag kurz vor Mitternacht, ich bin soeben am Flughafen gelandet… Könnte sein, dass ich nach Hause will? In mein Bett – allein!, sage ich, wie ich hoffe fehlerfrei, und mache mich auf den Weg in Richtung Ausgang.
Da das Wetter hier in der Hauptstadt Seit 3 oder 4 Wochen durchgängig miserabel und mir in den letzten Tagen zusammen mit dem Smog extrem aufs Gemüt geschlagen ist (dicke graue Wolken, Regen, Regen, Regen und Temperaturen, die mich dazu bewogen haben, meine dicken Pullover herauszukramen), habe ich kurz entschlossen mal wieder einen Flug ans Meer gebucht. Freitag Abend um kurz vor 22:00 (ich habe aus der letzten Hetzjagd zum Flughafen gelernt und den späteren Flug gebucht) saß ich mit dem einzigen Vorhaben, mir ganz entspannt ein bisschen Sonne auf den Bauch und ins Gemüt scheinen zu lassen, im Flugzeug in Richtung Puerto Vallarta, der größten Pazifikbucht Mexikos und nach Acapulco einem der beliebtesten Ziele der Gringos. Als ich in meinem Hotel ankam, schlug die Kirchturmuhr am Zócalo, welche ich von meinem Balkon aus sehen konnte, gerade Mitternacht. Die „Gongs“ wurden jedoch lautstark übertönt von den Kneipen und Discotheken der dicht bevölkerten Partymeile, tagsüber auch bekannt als Strandpromenade der Altstadt, die ebenfalls in Sichtweite und vor allem in Hörweite meines Zimmers liegt. Nun ja, die Tatsache, dass ich trotzdem sofort eingeschlafen bin, kaum, dass mein Kopf auf dem Kissen lag, gibt mir zu denken… Ich muss wohl doch ziemlich fertig gewesen sein… ;-)
Bloss kein Stress - es ist Wochenende!
Nach komplett durchgeschlafenen 8 Stunden nutze ich die morgendliche „Frische“ (tagsüber sind hier über 30 Grad) und jogge, gelegentlich angefeuert durch rumhängende Gestalten, gemütlich die Promenade entlang, um mir einen ersten Überblick zu verschaffen. Eigentlich kann ich morgendlichem Training vor dem Frühstück ja nicht allzu viel abgewinnen, aber die frische Pazifikluft und die noch tief stehende Sonne vor der Kulisse der langsam erwachenden Altstadt sorgten für genug Motivation, um den Trainingsrückstand dieser Woche auszugleichen (Ja, in den vergangenen 4 Wochen habe ich es tatsächlich geschafft, mich ohne fade Ausreden und an einen Trainingsplan zu halten.)
Gegen 10:30 machte ich mich dann im Open Air Restaurant des Hotels (direkt am Meer) über das Frühstücksbuffet her und studierte nebenbei die Touristeninfo, um meinen Tag zu planen. Naja, eigentlich gab es nicht viel zu planen… ein kleiner Spaziergang durch die Altstadt und ein Buch-Lese-Nachmittag (mein erstes Buch auf Spanisch, dass nicht aus der Kinderbuchabteilung stammt…Weltliteratur von Julio Verne, wie er hier heißt, „La vuelta al mundo en 80 días“) am Pool mit Blick aufs Meer.
Am späten Nachmittag ging’s dann wieder (mittlerweile schon mit roter Nase) auf die Promenade… ein bisschen umherschlendern und den Künstlern zuschauen.
Helden in Rot
Und dann passierte es… eines der voll besetzten Touristenboote ging mitten in der Bucht in Flammen auf… zunächst gab’s nur dicke schwarze Rauchwolken und man konnte sehen, wie die Touristen sich in voller Montur durch einen Sprung ins Wasser retteten. Die in der Bucht umherdüsenden Speedboote, Banana-Boote und Lancias sammelten die triefenden Gestalten ein und brachten sie an Land, bevor die Flammen das Boot komplett in Besitz genommen hatten… Von der alarmierten Feuerwehr übrigens immer noch weit und breit nix zu sehen. Und als dann endlich (nach ner knappen viertel Stunde – man könnte meinen, Vallarta sei eine Großstadt -) die Sirenen ertönen, muss ich mich zusammenreißen, um nicht zu lachen… Da kommen die – typisch Mexikaner - im Feuerwehrauto!!! Erwähnte ich bereits, dass das ein Boot mitten in der Bucht, also draußen auf dem Wasser ist, das in Flammen steht??? Die Bomberos, wie die Feuerwehrmänner lustigerweise auf Spanisch heißen, stehen nun inmitten der Schaulustigen auf der Promenade und wissen nicht weiter. Kurze Zeit später kommt eines von den privaten Speedbooten ans Ufer… natürlich nicht bis aufs Trockene… sodass die Jungs gezwungen sind, sich ihrer Schuhe und Handys zu entledigen und samt Löschequipment zum Boot zu waten… eh der erste sich dazu durchgerungen hatte, waren weitere 5 Minuten vergangen… von dem Touristenboot waren mittlerweile nur noch brennende Reste übrig, welche sie schlussendlich heldenhaft löschen und mit Hilfe eines Rettungsschwimmerbootes abschleppen konnten.
Den Abend verbrachte ich dann eher untypisch für diesen Ort, eben nicht in einer der Kneipen, sondern durch die Menge schlendernd draußen auf der Promenade… einerseits mitten drin im Getümmel, andererseits aber auch weit genug weg, um gleichzeitig das schrille Gewirr der Stadt und die ruhigen, dunklen Wogen des Meeres genießen zu können. Diese Mischung lässt sich schwer beschreiben, also verzichte ich besser drauf.
Den Sonntag verbrachte ich dann ähnlich wie den Samstag mit ein bisschen Sport, lesend, (diesmal im Schatten) dösend und durch die Gegend spazierend, allerdings ohne Katastrophen, bis um kurz vor 22:00 dann mein Flugzeug abhob, um mich zurück ins verregnete D.F. zu bringen.
Nächtliches Amüsement mit der Polizei
Dort angekommen wurde ich auch gleich freudig in Empfang genommen… von einem nachtaktiven Vertreter der Spezies Polizist Anfang 30, der ganz offensichtlich auf der Suche nach ein bisschen Abwechslung in seiner langweiligen Schicht war und diese Abwechslung nun in Form einer Touristin an ihm vorbei in Richtung Ausgang schlurfen wollte. „Darf ich bitte Ihre Identifikation sehen?“ Oh nein, nicht das noch…warum ausgerechnet ich? Das war doch ein Inlandsflug, da wird nicht kontrolliert. Alle anderen verlassen den Sicherheitsbereich, ohne angequatscht zu werden, aber das sind ja auch Latinos und Latinas… die sind ja uninteressant. Also reich ich ihm meinen Pass und warte ab…
„Die Touristenkarte? Warum haben Sie keinen Einreisestempel?“ Hm… weil da auf der Seite, die du Depp grad geöffnet hast mein FM3 Visum bestätigt und abgesegnet ist und ich somit kein Tourist bin? „Wo ist das Visum?“ Na das trag ich natürlich nicht im Original mit mir herum, wenn ich im Inland unterwegs bin… und reiche ihm die Kopie des Visums… „Nein, das reicht so nicht, Sie müssen sich im Original ausweisen können!“ Hey, du hast doch meinen Originalreisepass mitsamt der dort eingetragenen Originalbestätigung (sogar in Farbe), dass ich im Besitz eines registrierten Visums und somit legal im Land bin?!?... „Was machen Sie hier? Wo wohnen Sie? Wann sind Sie hier angekommen? Wie lange bleiben Sie?“ Die Antworten spar ich mir an dieser Stelle…Es fiel mir angesichts dieser offensichtlichen Willkür sehr schwer, höflich zu bleiben. Wir diskutieren jedenfalls schön rum und ich versuche ihm zu verklickern, dass mir in der Migration geraten wurde, nur die Kopie mit mir herumzutragen, solange ich nicht vorhabe, das Land zu verlassen. Ich weiß nicht, wie oft ich ihm das erzählt habe, bevor sich einer seiner Kollegen zu uns gesellt und fragt, ob es irgendein Problem gibt? Jaaa, das Problem heißt „Fehlinformierte, übereifrige Intelligenzbestie“. So hab ich ihm das natürlich nicht gesagt… das spanische Wort für Intelligenzbestie kenne ich leider nicht. Der hinzugekommene Polizist bestätigt dann endlich, dass die Kopie des Visums ausreichend ist, lässt es sich aber trotzdem nicht nehmen, meinen Pass noch einmal gründlichst zu prüfen (Hatte ich schon erwähnt, dass ich einen nagelneuen Pass habe, der außer dem mexikanischen Visum nicht einen einzigen Stempel enthält? Was bitteschön prüfen die so lang?) Als er dann ausgiebig mein Foto studiert und sich amüsiert in der Aussprache meines Namens übt, nehme ich mir vor, in meinem nächsten Spanischunterricht sarkastische Ausdrücke zu lernen. „Wo wollen Sie jetzt hin?“ fragt er mich, als er mir meinen Pass endlich wieder aushändigt. Hm… mal überlegen… es ist Sonntag kurz vor Mitternacht, ich bin soeben am Flughafen gelandet… Könnte sein, dass ich nach Hause will? In mein Bett – allein!, sage ich, wie ich hoffe fehlerfrei, und mache mich auf den Weg in Richtung Ausgang.
