Mein Informationsjahr in México 2008

2008-03-21 Semana Santa - "Strandspaziergang"

Um 06:30 werde ich durch strahlenden Sonnenschein und Meeresrauschen (die Wellen hier sind mindestens doppelt so hoch wie an der Ostsee). Um 07:00 schaff ich es dann auch endlich, mich zu erheben. Mein Frühstück sah genauso aus, wie das Abendbrot gestern. Kurz vor 08:00 bin ich samt Rucksack bereits losgestapft in Richtung Zentrum von San José, um eine Bank und einen Touristentouranbieter zu suchen. Ich bin noch nicht weit gekommen, da kommt mir ein Bus entgegen. Und wer sitzt drin? Richtig, Juan und die 3 Kellner von gestern Abend, die sich gerade zur Arbeit kutschieren lassen. Juan teilt mir freudig mit, dass seine Señora zugestimmt hat und wir nun Samstag oder Sonntag (er fährt mich danach auch gleich zum Flughafen), je nachdem welches sein freier Tag sein wird, zum Arco fahren können. Er verspricht, mir eine Notiz im Delfin zu hinterlassen. Ok, also soll er seine Chance haben. Ich werde heut also was anderes machen und heute Abend schauen, ob er sein Versprechen hält… Wenn nicht, kann ich morgen immer noch zum Arco. Die Kellner laden mich ein, ihren Arbeitsplatz von innen zu besichtigen. Da die Baustelle aber in völlig entgegen gesetzter Richtung liegt, lehne ich dankend ab und stapfe kurze Zeit später (mittlerweile in kurzen Hosen und Top) in der schon kräftig brennenden Sonne die Staubpiste entlang die 5 Kilometer bis ins Zentrum von San José. Mitfahrangebote lehne ich ab, ich brauch mal wieder ein bisschen Bewegung. Das Zentrum ist nicht weiter spannend und um diese Zeit noch wie ausgestorben. Am Springbrunnen will dann noch ein weiterer (ziemlich aufdringlicher) Juan (und es war noch nicht der letzte für heute) unbedingt mit aufs Foto und quatscht mich dann voll über die Geschichte Deutschlands insbesondere über Hitler und wie wir mit den Gegebenheiten klarkommen, sodass ich mich rasch aus dem Staub mache. Nicht dass er mich noch als Nazi beschimpft.
Eine Bank ist schnell gefunden, der erste Tagesordnungspunkt also bereits abgehakt. Für den zweiten Punkt muss ich wohl später noch einmal wiederkommen. Direkt auf dem Weg zum Strand fand ich ein kleines Café, aus dem ich mit einer superleckeren (mit 65 Peso aber auch sehr teuren) Malteada de Chocolate in der Hand wieder herauskam. Als ich am menschenleeren Strand ankam, saß ich jedoch schon wieder auf dem Trockenen, und das wird sich bis auf ein paar Schluck Wasser auch die nächsten Stunden nicht ändern. Ich spazierte nämlich immer mit den Füssen im seichten Wasser am Strand entlang, bis mir nach 4 Stunden ein riesiger Fels den Weg versperrte. Der reichte bis ins hüfttiefe Wasser. Auf dem Geröll da ohne Benutzung der Hände (mit denen hätte ich ja den Rucksack samt Kamera, Handy und Kreditkarten in die Luft stemmen müssen) durchs Wasser zu balancieren erschien mir dann doch etwas zu heikel… einmal kurz abgerutscht und es hätte so richtig schön Platsch gemacht. Nee danke, in diesem Fall ist es mir lieber, meinem Nachnamen nicht gerecht zu werden. Der Strand hier ist übrigens schön breit, weiß aber nicht ganz so feinkörnig wie Ostseesand, es gibt Riesenwellen und wesentlich weniger Touristen als für die Semana Santa und den Springbreak angedroht, an einigen Stellen gehäuft, an anderen gar keine. Da ich meinen Weg nicht fortsetzen konnte, machte ich kehrt und kletterte bei der nächsten Möglichkeit auf die Anhöhe. Mittlerweile war ich in einem privaten Villenviertel angekommen und spürte das Bedürfnis, Energie zu tanken. Nach kurzem Irrlauf durch das hoch eingezäunte Gebiet fand ich dann auch ein schickes Restaurant mit der Aufschrift „Trinidad – Cocina Mexicana“… alles klar ;-)
Im Restaurant saß zwar niemand, aber ein anderes Bedürfnis überredete mich, die „Goldene Regel“ zu vergessen und trotzdem auf der Terrasse mit Meeresblick Platz zu nehmen. Bestellt habe ich einen Jugo de Naranja (natürlich frisch gepresst) und eine Vorspeise namens Tostada de pollo con todo. Wasser, Tacos con Salsa Roja und Tacos con Mole brachte man mir wie hier üblich einfach so dazu. Da dieses Zubehör auch gern mal mit auf der Rechnung steht, war ich froh, heute Morgen Geld gezapft zu haben. So saß ich nun in einem edlen Restaurant, in dem einem sogar der Stuhl zurecht gerückt wird und der mesero aufmerksam Wasser nachschenkt, sobald das Glas nur noch zu einem Drittel gefüllt ist, in kurzen Outdoorhosen mit aufgeschrammten Knien und blauen Schienbeinen. Naja, egal, ich bin Touri… Das Essen war super lecker und hat auch bisher keine Nachwirkungen. Da das Restaurant ja total leer war, hatte Kellner Juan (Nr. 3 für heute) genügend Zeit, um sich eine dreiviertel Stunde lang mit mir zu unterhalten. Ich sei die erste Deutsche, die er trifft. Kein Kompliment für meine angeblich blauen Augen, keine anderen Anzüglichkeiten… also gibt es nur drei Möglichkeiten… 1. ich sehe heute katastrophal aus… 2. Juan fischt in anderen Gewässern… 3. er ist tatsächlich an dem (rein verbalen) Austausch von Kultur und Erfahrungen im Ausland interessiert. Egal, aus welchem Grund… es war auf jeden Fall sehr angenehm, sich einfach mal so unterhalten zu können. Den Nachtisch, den er mir noch schmackhaft machen wollte, lehnte ich dann aber ab und bat um die Rechnung. Grosse Überraschung: es standen nur mein O-Saft und die Tostada drauf, obwohl ich das ganze Tacokörbchen leer gefuttert hatte. Positiv überrascht lege ich noch ein mehr als großzügiges Trinkgeld drauf und verließ um 7 Euro irgendwas leichter das Restaurant. Jetzt war es bereits 15:00 und mir standen mindestens 3 Stunden Heimweg bevor. Aber ich fühlte mich trotz der Hitze fit und marschierte wieder im seichten Wasser zurück. Am Strand traf ich dann noch den vierten und für heute letzten Juan, der im Anatomie-Unterricht irgendwie nicht so ganz aufmerksam gewesen war und meine Augen nun in einer Höhe über dem Erdboden suchte, in der sie sich befanden, als ich 10 war. Das war mir dann zu blöd, also ließ ich ihn stehen und spazierte weiter. Entweder wollen die mich hier alle veralbern und taufen sich selbst der Einfachheit halber auf den Namen Juan oder die Mexikaner sind bei der Namensgebung nicht unbedingt einfallsreich.
Kurze Zeit später sah ich ein kleines Mädchen mit knallroten Waden und schaute mir meine eigenen mal ein bisschen genauer an… Tatsache, sie hatten eine ähnliche Farbe, also die Hosenbeine schnell wieder angezippt…aber wie ich später feststellen werde, war es bereits zu spät. Hals und Schultern hatte ich ja in weiser Voraussicht mit einem Tuch bedeckt und ohne Basecap lauf ich hier eh selten rum. Die Beine hatte ich jedoch total vergessen und dementsprechend nicht einmal eingecremt. Das wird sich noch böse rächen.

Am Strandaufgang zum Zentrum San Josés döste ich noch eine viertel Stunde im Schatten, bis die Sonne verschwunden war, gönnte mir dann im Café von heute morgen noch eine Maldeada und eine Quesadilla und buchte für morgen dann doch noch die Tour zum Arco… Nun waren es nur noch 5 Kilometer bis „nach Hause“ und im mittlerweile im Dunkeln ging’s nun der Strasse entlang (weil kürzer), bis ich um kurz vor 8 dann im Delfin ankam. Ich war fast 12 Stunden unterwegs zu Fuß unterwegs gewesen… Von Juan Nr. 1 fand ich im „Hotel“ übrigens keine Nachricht. Also geht’s morgen zum Arco, wahrscheinlich mit 20 Springbreakern auf einem Boot….