Mein Informationsjahr in México 2008

Wochenende KW 14

„Todos somos amigos“
Am Freitagabend waren Peter und ich zu einer Geburtstagsparty eingeladen, die natürlich mal wieder im Pata Negra stattfinden sollte. Und zwar wurden wir von einem Mädel eingeladen, das wir im Siemens-Bus auf dem Weg nach Hause „kennen“ (außer Name und Alter weiß ich nix von ihr) gelernt hatten. Zunächst hatten wir die Einladung nicht ernst genommen, aber nachdem sie diese 5-mal wiederholt und dann sogar noch per Mail geschickt hatte, beschlossen wir, mal vorbei zu schauen, schließlich sind wir ihre Freunde.
Nachdem Peter ne halbe Stunde zu spät den Club auch endlich gefunden hatte, drängelten wir uns auf der Suche nach dem Geburtstagskind unsere Margarita balancierend durch die tanzende Menge. Da wurden wir auch schon angequatscht… „Siemens???“… Steht mir das jetzt schon auf die Stirn geschrieben? Sehen Leute, die bei Siemens arbeiten irgendwie anders aus? Meinen Mitarbeiterausweis trage ich ja grundsätzlich nicht, den habe ich also nicht zufällig noch um den Hals hängen…
Überrascht nicken wir und werden dann „salutierend“ (für die Nicht-Spanisch-Sprecher: beim Anstoßen sagt man hier Salut) in der Runde vorgestellt. Aha, das sind die ganzen Azubis und die haben uns schon mal übers Gelände laufen sehen… Was wir hier machen? Wir suchen das Geburtstagskind… Ach, seid ihr etwa auch eingeladen? Ja! Ok, wir befanden uns also bereits mitten drin in der Geburtstagsfeier und wie sie uns kurze Zeit später freudig mitteilte auch Verlobungsfeier. Ihr Freund (seit 4 Monaten) hat ihr hier in dieser überfüllten, lauten Disco den Antrag gemacht… unromantischer geht es ja schon fast nicht mehr *kopfschüttel*… Von wegen Latino = Frauenversteher…. Die tun immer nur so, als ob, bis sie haben, was sie wollten… Naja, so gegen 2 verabschiedete ich mich als erste… die Musik war mal wieder nicht so ganz mein Fall und manche Leute ein klein wenig zu klebrig…

Passt schon …
Samstag war dann Shopping angesagt, ich brauche schließlich noch Sommer- und Strand-taugliche Klamotten und Schuhe. Also bin ich durch die bunten kleinen Läden direkt an der Metro Pino Suárez geschlendert, hatte dann auch ein Strandkleidchen gefunden, durfte es aber nicht anprobieren… „Das passt dir sicher“… Sorry, aber auf das Augenmaß von so genannten Fachverkäufern in „Girli-Läden“ lege ich, seit es Pimkie und Orsay gibt, keinen Wert mehr. Tja, so hat sie nun eine kreditwürdige Kundin weniger, ich gehe allerdings auch leer aus. Sandaletten mit flachem Absatz lassen sich auch nirgends auftreiben. Frau hat nur die Auswahl zwischen 10 cm und mehr Absatz und diesen fürchterlichen Ballerinas in rosa und gold…
Da sich das Spielchen in den anderen Läden wiederholt, ist mein einziger Erfolg eine neue Armbanduhr (ich brauch mal wieder etwas, das ich verlegen bzw. verlieren kann).

Sonntagsausflug in die Marquesa
Karina hatte uns eingeladen, den heutigen Unterricht in die Marquesa zu verlegen. Widerstand gab es da natürlich keinen, also fuhr unsere „Klasse“ zusammen mit zwei Freunden von Karina südlich raus aus der Stadt, um den Tag im „Bosque“ zu verbringen. Dass hier in D.F. „Wald“ nicht gleich „viele Bäume“ und somit „Schatten“ bedeutet, mussten Peter und ich auf die schmerzhafte Tour lernen, aber dazu später.
Wir ließen uns zunächst in einem kleinen Open-Air-Restaurant nieder, um zu frühstücken und ein wenig (natürlich in Spanisch) zu plaudern (2 Stunden!). Dass ich von der mexikanischen Art zu frühstücken nicht allzu begeistert bin, ist, glaube ich, in den anderen Berichten bereits deutlich geworden. Aber diese blauen Tacos hier waren wirklich lecker, dazu der frisch gepresste Orangensaft, strahlender Sonnenschein, frische Luft, Ruhe und nette Leute… das Leben kann schon auch seeeehr angenehm sein ;-)
Was ist die Marquesa? Das ist ein Wochenend-Naherholungsziel für viele Chilangos, wie die Hauptstädter hier so schön heißen. Entlang einer großen Strasse geht es kilometerweit links und rechts in die Landschaft hinein. Man stellt das Auto ab und kann sich dann den Tag mit futtern, rum liegen, spazieren gehen, reiten und angeln in künstlich angelegten Seen, in die ständig neue Fische eingesetzt werden, damit man auch erfolgreich heimkehren kann (Wie sagte Obelix so schön? Die spinnen… ein Ausspruch, der mir hier öfter durch den Kopf geht) vertreiben, oder mit einem Quad über die Dreckpisten heizen…
Wir (schließlich allesamt noch Jóvenes) entschieden uns für die PS unterm Hintern und mieteten uns jeder ein solches Gefährt. Die Piste war nicht allzu groß, hatte aber zwei relativ haarige Kurven. Die Vorstellung, wie man natürlich ohne Sturzhelm oder andere Protektoren bei einer Maximalgeschwindigkeit von 50 km/h in einer dieser Kurven (nur durch eine Linie alter Autoreifen bis Kniehöhe „gesichert“, durch die man 100%ig durchkacheln würde) den Abflug macht, ließ den Angsthasen die Geschwindigkeit ein wenig drosseln.
Fährt man jedoch langsamer als die anderen, wird man ständig überholt und zwar auf einer Piste aus feinem Dreck auf der einen und nassem Modder auf der anderen Seite. Was passiert logischer Weise? Man „frisst“ jede Menge hoch geschleuderten Dreck und ich möchte nicht wissen, was sonst noch alles. Nach der halben Stunde sahen wir jedenfalls alle aus wie die Schweine…
Die zum Waschen bereitgestellte Wassertonne samt Eimern konnte auch nicht viel an unserem Zustand ändern. Man verschmiert den Dreck eigentlich nur. Unser geplantes Abendessen im Sheraton mussten wir jedenfalls streichen ;-) Und so besuchten wir nach unserem Descanso im Schatten erneut das kleine Restaurant von heut morgen. Um den Tag perfekt zu machen, gab's eine Piña Colada, welche mir in einer ausgehöhlten Ananas (dementsprechend groß war auch das Getränk) garniert mit Ananasstücken in Chilipulver (gar nicht so übel, aber rattenscharf) serviert wurde… Hmmm, lecker (siehe Foto).
Einziges (nachhaltiges) Wehwehchen… ein wunderschöner Sonnenbrand (mit einem Wald ohne Bäume rechnet ja keiner)… Wir hatten uns zwar morgens eingecremt, aber wenn man fast den ganzen Tag in der Höhensonne hier unterwegs ist, hilft das mal eben rein gar nicht. Ich hatte gewohnheitsmäßig wenigstens mein Basecap auf dem Kopf und somit konnten nur die Arme und der Hals verbrennen. Durch die lenkende Haltung auf dem Quad hab ich mir zum ersten Mal in meinem Leben die Innenseiten der Unterarme (die ja im Normalfall so richtig weiß sind) verbrannt. Es geht also doch!
Naja, Peter dagegen hat sich das gesamte Gesicht verbrannt und rennt nun mit einem dauerhaft hochroten Kopf durch die Gegend. Im Büro hat er schon den Spitznamen „Jitomate“ (Tomate).
Als ich dann abends daheim versucht habe, den Dreck irgendwie zu entfernen, führten nur 3-maliges Haare waschen und Schrubben der anderen Körperteile zu gewünschten Erfolg. Mit dem eingefangenen Sonnenbrand ein sehr schmerzhaftes Erlebnis und die gerechte Strafe für meinen Leichtsinn. Klamotten und Sneakers landeten erstmalig zusammen in der Waschmaschine… gleicher „Verschmutzungsgrad“, da geht das schon mal… ich weiß, ich werde nie eine gute Hausfrau ;-)