Um 06:30 werde ich wieder einmal geweckt. Diesmal aber nicht durch angenehmen Sonnenschein, sondern durch unerbittliches Klingeln meines Weckers, denn um 07:10 beginnt bereits der 5 km-Marsch ins Zentrum von San José. Hier fährt nämlich der Bus ab, der mich nach Cabo San Lucas bringen soll.
Etwas später sitze ich dann auch in einem solchen überfüllten Ding und vergleiche immer fleißig mit meiner Karte, wo ich gerade bin, damit ich den Absprung nicht verpasse. Für die 31 km braucht der Bus fast eine stunde, weil er ständig anhalten muss, um jemanden abzusetzen oder einzusammeln. Am Hafen angekommen hatte ich das Hotel Tesoro, an dem die Tour starten sollte, auch ziemlich schnell gefunden. Dementsprechend hatte ich noch genügend Zeit, um ein einem der unzähligen kleinen Restaurants einen riesigen Mangosaft zu schlürfen und innerlich über die vorbei schlendernden Gringos abzulästern…
Pünktlich um 10 gesellte ich mich zu den Springbreakern, die ebenfalls die Jungle Tour (was dieser Name mit einem Bootsausflug auf dem Pazifik zu tun hat? Keine Ahnung)gebucht hatten, und wartete, bis um 10:25 dann das Tor geöffnet wurde. Dem Betreiber halte ich mein Ticket vor die Nase, auf dem vermerkt ist, dass ich 100 Peso für die Jungle Tour auf der Cabo Blue angezahlt habe und nun noch den Rest blechen muss.
Der gute Mensch liest sich das Ticket durch, schaut mich an und liest sich das ganze noch einmal durch… „Mit dieser Agentur arbeiten wir nicht zusammen… und das Boot, auf dem die Jungle Tour stattfindet, heißt auch nicht Cabo Blue… die Cabo Blue ist ein anderes Boot, aber das macht nicht die Jungle Tour - geh mal zu Puerta Nr. 4 auf der anderen Seite des Hafens“ … Ganz offensichtlich hat der „Agent“ mich gestern Abend gehörig veralbert… Also bin ich flotten Schrittes losgestiefelt, schließlich sollte das Boot um 10:30 ablegen. Aber da hier in Mexico mit Pünktlichkeit nicht unbedingt zu rechnen ist, hielt sich meine Eile noch in Grenzen. In Puerta Nr. 4 kann mir auch keiner helfen und ich werde zum Haupttor geschickt. Nun stehe ich wieder vorm Tesoro und der Mensch von der Agentur schaut sich mein Ticket an und murmelt vor sich hin „Mmhh, das ist ja seltsam, irgendwas stimmt hier nicht…“ und telefoniert dann mit dem Eigentümer der Cabo Blue, ob er für 250 Peso noch eine Person zusätzlich mitnehmen würde, also genau für den Preis, den ich noch an die andere Agentur hätte zahlen müssen. (Er hält mich offensichtlich für eine von den amerikanischen Springbreakern und schlussfolgert daraus, dass sich meine Kenntnisse der spanischen Sprache auf „Holá“ und „Una cerveza, por favor“ beschränken… tja, falsch gedacht). Nach dem Telefonat erzählt er mir dann, dass die Liste der Jungle Tour bereits voll gewesen sei, als ich gestern Abend gebucht hatte und ich deshalb auf der Liste der Cabo Blue stehe, welche erst um 11:30 ausläuft und sowieso das bessere Boot sein… Ahja, … nun, zumindest mit der letzten Aussage hatte er Recht. So blieb mir noch Zeit für ein aus leckeren Pfannkuchen bestehendes (also völlig unmexikanisches) zweites Frühstück.
Auf dem Boot tat ich dann genau wie die anderen 30 Mann nichts außer faul in der Sonne liegen, Schnorcheln, futtern, Margarita trinken und die Aussicht genießen. Es gibt also nicht allzu viel zu erzählen, außer vielleicht, dass wir die versprochenen Wale auch richtig nah und in größeren Gruppen zu sehen bekamen.
Den langen Rückweg ersparte ich mir dann, indem ich eines der unzähligen Mitfahrangebote (Ja, in Mexico als Frau allein unterwegs zu sein, hat auch Vorteile.) annahm und mich von Elvis (ausnahmsweise mal kein Juan) nach Hause kutschieren ließ. Ihm gehört der Grillhähnchenstand unten am Hafen von San José, an dem wir auch prompt halten und ich unbedingt ein Stück probieren muss. Ok, also versichere ich ihm, dass es vorzüglich schmeckt (es war mittelmäßig) und wir fahren weiter bis zum Delfin. Am Ziel angekommen, lädt er mich noch für heut Abend zum Essen und in die Disco ein, aber als ich ihm erzähle, ich wäre noch mit 3 Freunden hier, und ob die mitkommen könnten, hatte er plötzlich kein Interesse mehr an einem Date mit der Alemana ;-)
Heute morgen sei hier ein Kerl aufgetaucht, der sich nach mir erkundigt hätte, erfahre ich im Delfin… oh oh, Juan war also tatsächlich aufgekreuzt, aber zu spät, nun hatte ich mir den Arco allein angeschaut. Wer nicht kommt zur rechten Zeit…
