Mein Informationsjahr in México 2008

2008-03-23 Semana Santa - Familienausflug

In Erwartung eines geruhsamen letzten Tages am Strand schlief ich ausnahmsweise mal bis halb 8. Auf dem Weg zurück vom Bad zu meiner Cabaña sprach mich ein 7jähriger Junge an, ob ich Antje sei. Ich bejahe und folge seinem Blick in Richtung Haupteinfahrt. Da steht doch tatsächlich Juán Nr. 1 mit samt Kind und Kegel… soll heißen, mit seiner Frau und noch zwei weiteren Kindern. Oh oh… sein gestriges Aufkreuzen hieß wohl, dass der Ausflug stattfindet. Auf Nachfrage meinte er auch, dass er gestern bei der Muchacha eine Nachricht für mich hinterlassen hat, dass sie mich Sonntag früh abholen. Tja, die Muchacha hat der Eigentümerin wohl irgendwas mitgeteilt und bei mir kam dann ja nur noch vorwurfsvoll an, dass sich irgendein Kerl nach mir erkundigt hat. Nachrichtenübermittlung in Mexiko halt…
Super… toll auch, dass ich ja quasi noch im Schlafanzug war und auch meinen Rucksack noch nicht annähernd gepackt hatte (nach meinem Plan hatte ich ja den ganzen Tag über nix wichtiges vor). Ob wir denn los könnten? Oder ob ich noch Zeit bräuchte? … die könnte ich mir nehmen, sie würden solange warten. Ne halbe Stunde hab ich raus geschlagen. Da ich es aber doof fand, dass 5 Leute auf mich warten mussten, wurde eiligst gepackt und nach 17 Minuten stand ich am Tor. Leider hatte ich völlig verdrängt, dass die Muchacha erst um 09:00 kommt und somit kein Mensch da ist, dem ich den Schlüssel geben konnte (der Luxus einer 24-Stunden besetzte Rezeption war bei dem Preis nicht mehr drin). Also frage ich die beiden Amis, aber auch die sind auf dem Sprung und reisen ab (wie ich später von der Eigentümerin erfahre, ohne zu bezahlen). Schlussendlich hab ich den Schlüssel dann dem Oberhaupt der mexikanischen Großfamilie in die Hand gedrückt mit der Bitte, ihn doch der Eigentümerin zu geben. Meine 50 Peso Kaution konnte ich nun zwar vergessen, aber ich investiere doch gern in die Entwicklung der Bevölkerung…Für die 50 Peso Kaution könne er sich dann ja ein Bierchen gönnen, meinte ich zu ihm. Mit dem schlechten Gefühl im Bauch, dass er nicht verstanden hat, was ich von ihm wollte, ging’s dann endlich los. Die Kinder eingesammelt und in Richtung Strand spaziert, wo wir auf einem Spielplatz auf die Señora warteten, die zwischenzeitlich noch mal nach Haus gefahren war. Zur Familie gehören Security-Busfahrer Juán, Tochter Melisa (10), Sohn Juán Junior (7), Nesthäkchen Melanie (geschätzte 4) und die Señora (hab gar nicht nach dem Namen gefragt), die ihr Geld damit verdient, daheim traditionell zu kochen und das Essen dann an die überall in der Gegend rumstehenden, rumsitzenden oder auch mal im schattigen Gebüsch schlafenden Security-Kollegen (so möchte ich auch arbeiten) ihres Mannes zu verteilen (Essen auf Rädern quasi).
Keine Viertel Stunde später kann es dann auch losgehen. Meine Rucksäcke werden im Kofferraum und die 3 Kiddies auf dem Rücksitz verstaut, auf welchem dann auch noch die Señora mit 3 noch auszuliefernden Essen Platz findet. Ich sollte unbedingt den Beifahrer spielen (bin halt Gast), mit Panoramaaussicht durch die total zersplitterte Scheibe der nicht mehr abschließbaren Klapperkiste, die aber ihren Dienst, nämlich zu fahren, durchaus noch tut. Ich habe auf meinem Frontsitz sogar einen Sicherheitsgurt, den ich auch freudig nutze. Wir besichtigen einen (noch gesperrten, weil noch im Aufbau) botanischen Garten, durch den wir bequemer Weise mit dem Auto fahren (was so ein Security-Ausweis in Verbindung mit einem warmen Essen alles ermöglicht ;-) Ich glaube, so viel gesperrtes, bewachtes Terrain wie ich hat hier noch kein Touri besichtigt. Auf dem Highway brausen wir dann doppelt so schnell (zur Begeisterung der Kleinsten) wie der Bus gestern (was ich natürlich verschweige) in Richtung San Lucas. Zunächst hieß es Frühstück und Parkplatz finden. Gar nicht so einfach, denn die Familie war noch nie am Arco… Das zu glauben, fiel mir sehr schwer… Jemand, der knappe 40 Kilometer von der Attraktion schlechthin entfernt wohnt, war noch nie da. OK, dachte ich mir, vielleicht ist das Geld knapp, und man kann sich solche Wochenendausflüge nicht leisten. Mein Vorhaben, das Frühstück und die Bootstour für alle zu bezahlen, wurde von Juán jedoch durchkreuzt. Er bestand darauf, die Rechnungen zu begleichen… worauf seine Frau nur schulterzuckend zu mir meinte „Hombre“.
Zum Frühstück gab es Quesadillas, die eine Frau aus ihrem Auto heraus auf dem Parkplatz verkaufte. Ich hab mich auch immer noch nicht dran gewöhnt, dass in einer Quesadilla nicht unbedingt Käse ist, sodass man nach der Bestellung „Quesadilla“ immer fragend angeschaut wird… ach so, ja… „Quesadilla con Queso, porfa“. Die sind schon komisch die Mexikaner… verkaufen Quesadillas ohne Käse…
Naja, nach dem Frühstück wurde dann der Preis für den Bootsausflug von 600 auf 250 Peso runter gehandelt und schon waren wir auf dem Wasser… Der Motor gab zwar zwischendurch öfter den Geist auf, sprang aber zum Glück (um 16:00 startet schließlich mein Heimflug) immer wieder an. Wir schipperten ne knappe Stunde um den berühmten Felsbrocken und den Strand der Liebe (das ist ein einsamer Strand - nur mit dem Boot oder Felsen kletternder Weise erreichbar - der auf der einen Seite das Cortez-Meer also die ruhige Pazifik-Seite hat und auf der anderen Seite den rauen Pazifik) herum… also Wasser – Sandstrand – Wasser…
Der kleine Wirbelwind musste ständig festgehalten werden, da sie sonst bei ihren begeisterten Fischbeobachtungen sicherlich Bekanntschaft mit deren nasskalten Lebensraum gemacht hätte. Aber ich muss gestehen, es gab schon ne ganze Menge zu sehen… angefangen bei hunderten von Pelikanen über Wale und alle möglichen Fische bis hin zu den niedlichen Seerobben (die übrigens ziemlich stark müffeln).
Nachdem wir dann entgegen meiner Erwartung doch wieder im Hafen angekommen waren, ging es gleich weiter in Richtung Sam’s Club (wie Metro bei uns – man kann nur mit Mitgliedsausweis einkaufen und bekommt nur Single-unfreundliche Familienpackungen), wo man sich ein Eis genehmigen und die Erzeugerfraktion noch schnell einkaufen wollte … wenn man schon mal hier in der Nähe ist… So kam es dann, dass ich mit den drei Kiddies ins Café mit angrenzendem Spielplatz fiel und Eis-schlabbernd auf Juán und die Señora wartete. Is gar nich so einfach… ich glaub, Kindermädchen ist echt nicht meine Bestimmung. Die Kleinste war ständig verschwunden, aber zum Glück passt die Älteste auf wie ein Schiesshund, während Juán Junior sich lieber den Dummheiten seiner kleinen Schwester anschloss. Als wir dann das Eis aufgegessen bzw. überall im Café verteilt hatten, war die Warterei auch schon vorbei und mit voll beladenem Auto ging es weiter in Richtung Flughafen… Ein bisschen Zeit hatte ich zwar noch, aber lieber zu früh als zu spät… Unterwegs kamen wir dann an der Playa Chileno vorbei, einem wunderschönen Strand, den ich auf jeden Fall besichtigen sollte. 13:10 wir suchen also einen Parkplatz und spazieren hinunter an den ziemlich überlaufenen Strand. Ich hatte schon Lust, noch mal plantschen zu gehen, aber der Gedanke daran, dass ich dann den Rucksack noch einmal öffnen muss, hielt mich vom Sprung ins türkise Wasser ab. Und so nahmen wir Erwachsenen im Sand Platz, während die 3 Kleinen (teilweise in voller Montur) begeistert durchs Wasser tobten.
13:30 – 13:40 – 13:50 … so langsam sollten wir dann mal wieder los… ich hab schließlich keine Ahnung, wie weit es um Flughafen ist… 14:20 sind nach einem kleinen Familienfotoshooting alle wieder im Auto und es geht weiter. 14:30 … wir kommen an einem Aussichtspunkt vorbei, an dem frische Kokosnüsse verkauft werden… Für jeweils 10 Peso kriegt jeder eine frisch aufgeschlagene Nuss samt Strohhalm zum Ausschlürfen… sehr lecker… Wenn alle Flüssigkeit raus ist, gibt man die Nuss wieder ab, das Fruchtfleisch wird rausgeschabt und man bekommt es in einer Plastetüte überreicht. Nun kann man das Ganze noch mit den bereit stehenden Gewürzen verfeinern (Gewürze und Soße rein, Tüte zu und durchkneten) und dann mit einem Zahnstocher als Gabelersatz verspeisen. Auch lecker, vor allem, weil man während des Essens die tolle Aussicht genießen kann. 14:50 Antje wird langsam unruhig, mag aber auch nicht drängeln… In einer Stunde und 10 Minuten hebt mein Flieger ab und wir stehen hier und genießen (die anderen mehr, ich weniger) den Tag – eine mexikanische Grundeinstellung, für deren Aneignung ich wohl noch ein paar Monate brauche. Irgendwann geht’s dann endlich weiter…und um 15:35 werden meine Rucksäcke und ich endlich vorm Flughafen abgesetzt…Juán befreit meinen Rucksack noch von der dicken Staub-Sand-Schicht, die ihm im Kofferraum zuteil geworden war und nach einer vergleichsweise herzlichen Verabschiedung (ich kenn die Leute schließlich erst seit heute) marschiere ich in Richtung Abflughalle. Wäre 16:00 nun tatsächlich die Abflugszeit gewesen, hätte ich vor verschlossenem Check-In gestanden. Nun gut, dem richtigen Offiziellen die richtigen Scheinchen in die Hand gedrückt und der Check-In wäre bestimmt noch irgendwie möglich gewesen. Aber Clever-Antje hatte ja in weiser Voraussicht der Familie gegenüber ein wenig geflunkert und die Abflugszeit um eine Stunde nach vorn verschoben. Tatsächlich startet mein Heimflug nämlich erst um 17:00. Also konnte ich nun in aller Seelenruhe einchecken und die manuelle Gepäckkontrolle über mich ergehen lassen. Ist schon irgendwie unangenehm, wenn so ein Offizieller vor den Augen aller in der Schlange wartenden Leute deinen Rucksack öffnet und sich durch die Dreckwäsche wühlt. Naja, man muss sich nur immer in Gedanken vorhalten, dass das ja bei allen gemacht wird, dann geht es. Mit einem leckeren Frappuchino mit allem drum und dran in der Hand suche ich mir ein Plätzchen (Ach so, meine 1,5 l Wasserflasche befindet sich immer noch in meinem Handgepäck… Flüssigkeitsverbot offensichtlich unbekannt). Da kommt auch schon die Durchsage, von wegen bitte zum Boarding… aber man darf noch nicht einsteigen, nein, die sammeln erst einmal nur die Tickets ein und markieren, wer bereits im Wartesaal anwesend ist. Also ein neues Plätzchen gesucht und abgewartet. Hier wurde dann wieder deutlich, dass in Los Cabos momentan der berühmt berüchtigte Springbreak angesagt ist. Die Passagiere der Maschinen mit Ziel in den USA mussten nahezu alle namentlich ausgerufen werden, weil sie ihre Alkoholfahne ausdünstend und in den Klamotten der letzten durchfeierten Nacht noch nicht soweit klar im Kopf waren, um auf ihren eigenen Namen zu reagieren. Für die besonderen Härtefälle rannten 4 Offizielle durch die Wartehalle und fragten jeden, der einigermaßen fertig und nach Gringo aussah, ob er zufällig XY oder CZ heißt (dass ich auch 2 mal angequatscht wurde, gibt mir zu denken… seh ich so schlimm aus?). In einigen Fällen konnten so die Schnarchnasen ausfindig gemacht und in Richtung Flugzeug geschleust werden. In anderen Fällen gab man es nach dem 5. „Last Call“ dann endlich auf…

Nach einem unspannenden Flug landeten wir fast pünktlich um 20:00 (nun wieder GMT-6) in D.F. und auch das Gepäck war vollständig. Die letzte Herausforderung für diesen Urlaub bestand nun darin, ein Taxi zu finden, welches mich nach Hause bringt. Hier am Flughafen gibt es eine ziemlich strikte Taxiorganisation um Überfälle auf ankommende Touristen zu vermeiden. Man muss sich also zunächst einmal am Ende der Schlange des noch nicht sichtbaren Ticket-Schalters anstellen. Ist man dann irgendwann dran, erzählt man dem Offiziellen, wo man hin will, er ordnet das Ziel dann in eine bestimmte Stadtzone ein und den Preis für diese Zone zahlt man dann (in meinem Fall Zone 4 für 150 Peso). Der Offizielle stellt ein Ticket aus. Mit selbigem in der Hand wechselt man zum Ende der nächsten Schlange, die sich einmal quer durch die Ankunftswartehalle zieht und draußen am Taxistand endet und kriecht in ihr langsam (aber um einiges schneller als am Ticketstand) vorwärts. Draußen kann man dann beobachten, wie 2 Einweiser immer 4 oder 5 Taxis an den Einstieg winken und zusammen mit den raus springenden Taxistas die Touristen samt Gepäck in einem Tempo, das nicht von Mexikanern erfunden wurde, ins Taxi laden. Dann springen die Taxistas wieder rein und fahren mit quietschenden Reifen los. Leider winken die Einweiser im gleichen Moment bereits die nächsten Taxis heran, sodass die Autos mehr als einmal äußerst knapp aneinander vorbei schrammten. Der Taxista erhält nun kein Geld mehr, sondern nur den Zettel mit dem Betrag drauf und kutschiert einen heim. Dafür, dass man für diese Flughafentaxis so viel bezahlen muss, sind die Autos auch vergleichsweise gut in Schuss, d.h. sie haben Gurte, die Türgriffe werden nicht durch bunte Bänder am Abfallen gehindert, der Tacho funktioniert etc. Um 21:30 war ich dann endlich daheim und
dieser erste Urlaub vorbei
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