Diesmal habe ich tatsächlich jemanden gefunden, den am Wochenende die Langeweile zu plagen drohte und der Queretaro – mein Ausflugsziel – ebenfalls noch nicht kannte. Und so kam es, dass ich Samstag Vormittag – naja, eigentlich schon eher Mittag (Mexikaner sind irgendwie nie pünktlich) – mal nicht allein in den Bus stieg.
Willkommen im Sommer
Nach dreieinhalb Stunden Fahrt mit „Air Force One“ auf dem einen und Latino-Rhythmen auf dem anderen Ohr erreichten wir das geschichtsträchtige Städtchen und waren angekommen im Hochsommer… Na wie gut, dass ich in weiser Voraussicht alle dicken Pullover, die ich hier in Mexiko habe, in meine Reisetasche gestopft hatte (In Mexiko Stadt ist es ja momentan arschkalt) . ;-) Die Pullis haben das ganze Wochenende lang kein Tageslicht gesehen. Na wenigstens hatte ich noch ein T-Shirt drunter, sodass ich bei unserem Stadtrundgang nicht allzu sehr ins Schwitzen kam. Gleich nach dem Einchecken in unserem etwas außerhalb des Historischen Zentrums liegenden Hotels ging es nämlich wieder los, um das tolle Wetter zu genießen.
Mein Vorschlag, auf den eigenen zwei Beinen ins Zentrum zu spazieren, wurde jedoch nur mit einer hochgezogenen Augenbraue beantwortet… Ach ja, ich vergaß, der gemeine Mexikaner ist extrem lauffaul… die sportlichen Exemplare aber offensichtlich auch… 20 Minuten laufen??? Neeee… da vorne stehen doch Taxen… *grins* … Nun gut, denn eben Taxi…
Im Zentrum selbst, sind wir dann aber spazieren gegangen ;-) Die verbrauchten Kalorien wurden jedoch auch gleich in Form von sehr leckeren Tacos und Eiscreme nachgeschoben. Seine „Anti-Flaquito-Protein-Diät“ hatte Hugo für die Dauer des Wochenendes ja netterweise auf Eis gelegt. J Muchas Gracias, Amigo!!!
Tja, wir haben uns eigentlich nichts Spezielles angesehen. Aber die Innenstadt ist wirklich wunderschön, sauber und smogfrei…enge Kopfsteinpflasterstraßen, schöne bunte Häuser und viele gepflegte grüne Plätze… Es war einfach entspannend, dort im warmen Sonnenschein umherzuspazieren. Eine kleine Stadtrundfahrt in einem Holzwagen haben wir uns dann auch noch gegönnt, bevor die Sonne weg und die Luft plötzlich kühl war.
Also zurück ins Hotel, Klamotten gewechselt und für den nächtlichen Ausflug „gestylt“… Wobei ich die Frage, wer von uns beiden sich mehr „gestylt“ hat, unbeantwortet lasse ;-)
Vamos a bailar… Die Frage ist nur, WO ???
Die Nacht begann mit Spaghetti-Essen im Strassenrestaurant bei Live-Musik. Gegen 23:00 hieß es dann „Und nu?“… Da wir uns hier beide nicht auskannten, hatten wir natürlich auch keinen blassen Schimmer, wo man in dieser Stadt am besten die Nacht durchtanzen konnte. Also den Kellner gefragt… Der gab uns auch gleich die überzeugte Auskunft, dass sich 2 Querstrassen weiter ein toller Club namens Mulata befände. Gut, die Ortsangabe stimmte ausnahmsweise mal genau… Problem nur, der Club wurde von den Behörden geschlossen… Das jedenfalls stand auf den riesigen Absperrbändern…
Also weitergefragt… Man empfahl uns nun ein Antro namens 442 und wenn uns das nicht gefiele eine Straßenecke mit diversen Antros. Ok, also Taxi geschnappt und Rundtour gestartet… das 442 war nix und dazu noch total leer. Also weiter…
Baile Vaquero
Gelandet sind wir zunächst in einer riesigen Cantina mit purer Banda-Musik. Hier wollte man mir nicht einmal meine Margarita mixen... nur Flaschenbier L Da – was ich nicht wusste (Ok, Hugos Warnung hatte ich in den Wind geschlagen) – Banda schon nach wenigen Minuten relativ nervtötend werden kann, haben wir nur unser bestelltes Bierchen geleert und sind dann zu Fuß aufgebrochen, um etwas Besseres zu suchen. Schließlich wollten wir tanzen und nicht rumhüpfen.
Mal wieder was fürs Auge
Unser nächster „Erfolg“ war dann ein Club (diesmal Cover-frei) an dessen Eingang Hugo bereits vermutete „Club Gay“, was vom Türsteher verneint wurde…
Drinnen sah es dann aber genau danach aus… Also wenn da Typen in engen Jeans und weißen Feinripphemden Kuscheltanzen und in der anderen Ecke die Mädels rumknutschen, dann ist das für mich eindeutig kein Hetero-Schuppen…
Aber gut, die Musik (Pop/House) war in Ordnung und es gab 2 por 1… also blieben wir ein Weilchen Margarita-schlürfend und tanzend. Na gut, ich hab nicht allzu viel getanzt, sondern lieber zugesehen…An das, was manche Latinos auf der Tanzfläche abziehen, sobald die Musik es zulässt, reicht mein nun doch schon langsam eingerostetes tänzerisches Können einfach nicht heran… aber manchmal macht Zuschauen sowieso viel mehr Spaß ;-)
Auch diesen Club verließen wir mit nur einer (schlechten) Margarita im Kopf wieder.
Y al final de la noche… Salsa ;-)
Bei den folgenden 2 Antros genügte uns schon ein kurzer Blick ins Innere für die Entscheidung uns den Eintritt zu sparen.
Gegen halb 3 hatten wir dann doch noch Erfolg… Salsaklänge und ein gut gefüllter Club. Also Cover bezahlt (was ich ja eine Stunde vor Clubschließung als Frechheit empfand), Plätzchen gesucht und Getränke geordert.
Just in diesem Moment wechselt der DJ die Musikrichtung und wir bekommen eine weitere viertel Stunde Banda auf die Ohren. Wir haben aber auch ein Glück heute. Na gut, Augen zu und durch… Also ab auf die Tanzfläche und losgehopst… Schon nach wenigen Minuten komplett durchgeschwitzt stellen wir fest, dass sich die Musik tanzender Weise leichter erträgt als rumsitzend… also die Schritte bei den anderen abgucken und weiterschaukeln.
Kurze Zeit später ertönen zum Glück endlich wieder Salsaklänge… juhu… Antje bekommt also doch noch ihre Salsatanzstunde …J … Auch Hugos Gesichtszüge heitern sich schlagartig auf… diese Rhythmen lassen ihn sogar die beim Training zerschossene Schulter vergessen… „das wird sich morgen rächen“ versuche ich ihn noch zu warnen, … „disfrutamos el momento, ok?“ war die Antwort ;-)
Viel zu schnell wurde dieser Teil der Nacht dann jedoch vom DJ mit dem Wechsel auf Reggetón und dem Anschalten der Raumbeleuchtung als Zeichen „Letzter Titel für heute“ beendet. Schade…
Kurzer Sonntag
Antje war zwar wieder einmal pünktlich um 7 morgens wach, aber diesmal zum Glück noch schläfrig genug, um 4 weitere Stunden bis zur verabredeten Frühstückszeit rumzudösen.
Nach ausgiebiger Plünderung des Frühstücksbuffets und dadurch zu spätem Check Out (was mit einem vorwurfsvollen Blick der Rezeptionstante quittiert wurde) genossen wir völlig verpennt noch ein paar Sonnenstrahlen und lecker Eiscreme im Zentrum und besichtigten das berühmteste Haus der Stadt, bevor es dann um 4 schon wieder hieß „Heimfahrt antreten“.
2,5 Stunden Tiefschlaf im Bus später „dockte der Bus am Terminal del Norte in DF an“ … Wieder ein Wochenende vorbei… Es bleiben noch 8…. (die 2 in Deutschland sind schon abgezogen)
Machismo… oder… Kulturunterschiede erleben
Es ist tatsächlich so… Wenn Frau sich hier nicht mit Gewalt darum schlägt, auch mal eine Rechnung zu bezahlen, dann wird sie komplett ausgehalten…
Bei einem Abend in einer Bar oder so kann ich damit ja auch sehr gut leben…
Wenn es sich jedoch um ein komplettes Wochenende inklusive Hotel und Busfahrt handelt, finde ich das jedoch schon etwas seltsam (zumal ich vermutlich mit meinem deutschen Gehalt deutlich über seinem liege)…
Beim Kauf des Bustickets hatte ich bereits bevor wir an den Schalter traten, einen Schein gezückt (kenne die Latinos ja nun schon ein wenig), den ich dem Typen hinterm Schalter mit der Reservierung reichte. Er nahm ihn nicht an…Stattdessen nahm er mit einem breiten Grinsen im Gesicht das Geld, das Hugo ihm über den Schalter reichte… Da halten sie zusammen, die Jungens. *kopfschüttel* …
Aber wie redet Frau Klartext, wenn sie weiß, dass sie die männliche Ehre eines Latinos verletzt, wenn sie bezahlt??? Schwierig… sehr schwierig… Ich hab es dann mit den Kulturunterschieden versucht… und damit, dass es in Deutschland durchaus üblich ist, dass Freunde sich beim Bezahlen abwechseln... An seiner Zahlungswilligkeit hat das leider nichts geändert…
Nun ja, zum Glück hatte ich die Zimmer am Freitag via Internet nicht nur (wie besprochen) reserviert sondern auch mit meiner Kreditkarte bezahlt…Also keine Chance für Hugo, auch das zu bezahlen… ;-) Er war nicht begeistert, aber was soll’s… Damit muss er halt leben, wenn er mit der „chica alemana“ unterwegs ist…
Noch mehr Kulturunterschiede… wenn ich schon dabei bin…
Die männlichen Leser (insbesondere die unter 35) dieser Seite werden jetzt zwar gleich mit den Augen rollen und so was in der Richtung „Mädels, ihr wolltet die Gleichberechtigung, ihr habt sie bekommen… nun schreit doch bitte nicht nach Sonderbehandlung“ von sich geben… Egal, ich bin ja weit weg und muss mir das nicht anhören, und einige Sachen sind einfach mal einen Eintrag wert… ;-) ich fass mich auch kurz…
1. MANN zahlt alles… bin ich oben ja schon drauf eingegangen
2. MANN geht immer auf der Fahrbahnseite, egal, ob es sich um eine 4-spurige Hauptstrasse oder einen kleinen Holperweg handelt
3. MANN geleitet FRAU immer in ein Gebäude hinein oder aus einem Gebäude heraus, über die Strasse oder sonst was… dirigiert immer mit der flachen Hand kaum spürbar auf dem unteren Rücken (bei meinem ersten abendlichen Ausflug allein mit den Jungs war ich zunächst leicht irritiert, das gebe ich zu… irgendwann ist mir aber wieder eingefallen, dass das beim Turniertanzen auch zum guten Ton gehörte ;-)
4. MANN entbehrt seine Jacke und legt sie FRAU um die Schulter noch bevor sie kund getan hat, dass sie friert
5. MANN hält FRAU die Taxitür auf und lässt sie zuerst einsteigen
6. Beim Aussteigen aus dem Taxi steigt MANN zuerst aus und reicht FRAU eine helfende Hand
7. MANN überlässt FRAU egal ob in einer Bar oder im Restaurant immer den besseren Platz
8. MANN schenkt FRAU das Getränk nach, sobald sie den letzten Schluck getrunken hat (fragt natürlich vorher, ob er das darf), egal, ob es sich nun um Wein oder eine simple Dose Cola im Strassenrestaurant handelt.
9. Hat FRAU nur noch 2 oder 3 Schlucke im Glas, fragt MANN sofort, ob er noch ein Getränk bestellen soll
10. MANN fragt FRAU, was er ihr vom Buffet mitbringen darf (Jetzt weiß ich, warum die Mädels so schwabbelig sind… die müssen sich nicht mal zu essen bewegen… das Essen kommt zu ihnen)
11. Im Antro fragt MANN, ob FRAU tanzen möchte… und schickt sie im Falle eines Ja nicht allein auf die Tanzfläche… egal, ob ihm die Musik gerade gefällt, oder nicht.
12. MANN bringt FRAU bis vor die Haustür und wartet, bis sie sicher drin ist… Mittlerweile werde ich sogar abends nach dem Training (meist so 22:00) nach Hause gebracht. „Die Gegend ist nachts nicht sicher und die Taxifahrer sind auch nicht immer koscher“… ok, wenn du das sagst ;-)… wie hab ich nur die letzten 8 Monate hier überlebt? *grins*Ich denke eher, der Grund für die Begleitung ist, dass sich direkt neben meinem Haus ein Globo (edles Geschäft mit Kalorienbomben in jeglicher Form) befindet, in dem es leckere heiße Schokolade gibt, die wir dann mit der Ausrede „mañana quemamos todo“ schlürfen können…
Hm… die Liste ist bestimmt nicht vollständig… aber das sind die die Sachen, die mir spontan einfallen…
Also alles in allem wird FRAU hier tagtäglich behandelt wie ich das aus Deutschland nur zu besonderen Festivitäten kenne, wenn FRAU im langen Abendkleid und Highheels antritt. Und wenn, dann fühlt sich das (selbst damals bei den Tänzern) ja immer ein bisschen hölzern und bemüht an… FRAU spürt da halt „Jetzt hat er dran gedacht“. (Oder war ich mein ganzes Leben lang mit den falschen Männern unterwegs?)
Hier wirkt das ganze vollkommen natürlich, alltäglich (selbst bei meinem Spanisch-Prof. mit seinen gerade 19 Jahren), als wüssten die Jungs gar nicht, dass es andere Varianten des Umgangs gibt…Und ich renn hier nicht etwa mit besonders extravaganten Vertretern der Spezies MANN durch die Gegend.
Nein, eine Freundin (Deutsche), die seit über 2 Jahren mit einem Mexikaner zusammenlebt meinte nur Schulter zuckend „Gewöhn dich dran, das ist hier so… egal, ob Novio, Amante oder schlichtweg nur Amigo… geniess es einfach…“ Sie meinte, noch schlimmer ist es, wenn man mit dem eigenen Auto unterwegs ist… dann öffnet MANN erst die Beifahrertür (egal, ob Zentralverriegelung oder nicht), hilft FRAU beim Einsteigen, rennt dann ums Auto herum und steigt selbst ein. Beim Aussteigen dann das ganze Prozedere umgekehrt. (Erinnert mich irgendwie an eine Szene aus Dirty Dancing)
Nach einer kurzen Phase der Verwirrtheit, in der ich nicht wusste, wie ich damit umgehen soll und MANN mit meinen „widerspenstigen“ Reaktionen bestimmt mehr als einmal quergeplatzt bin, hab ich mich nun dran gewöhnt… Mit dieser sehr angenehmen Seite des latino-typischen Machismo kann ich durchaus leben… Die Kehrseite der Medaille „Machomännchen“ (die der Reiseführer ja auch sehr farbenprächtig beschreibt) werde ich ja nicht mehr kennen lernen, schließlich hab ich nicht vor, hier zu heiraten ;-)
Willkommen im Sommer
Nach dreieinhalb Stunden Fahrt mit „Air Force One“ auf dem einen und Latino-Rhythmen auf dem anderen Ohr erreichten wir das geschichtsträchtige Städtchen und waren angekommen im Hochsommer… Na wie gut, dass ich in weiser Voraussicht alle dicken Pullover, die ich hier in Mexiko habe, in meine Reisetasche gestopft hatte (In Mexiko Stadt ist es ja momentan arschkalt) . ;-) Die Pullis haben das ganze Wochenende lang kein Tageslicht gesehen. Na wenigstens hatte ich noch ein T-Shirt drunter, sodass ich bei unserem Stadtrundgang nicht allzu sehr ins Schwitzen kam. Gleich nach dem Einchecken in unserem etwas außerhalb des Historischen Zentrums liegenden Hotels ging es nämlich wieder los, um das tolle Wetter zu genießen.
Mein Vorschlag, auf den eigenen zwei Beinen ins Zentrum zu spazieren, wurde jedoch nur mit einer hochgezogenen Augenbraue beantwortet… Ach ja, ich vergaß, der gemeine Mexikaner ist extrem lauffaul… die sportlichen Exemplare aber offensichtlich auch… 20 Minuten laufen??? Neeee… da vorne stehen doch Taxen… *grins* … Nun gut, denn eben Taxi…
Im Zentrum selbst, sind wir dann aber spazieren gegangen ;-) Die verbrauchten Kalorien wurden jedoch auch gleich in Form von sehr leckeren Tacos und Eiscreme nachgeschoben. Seine „Anti-Flaquito-Protein-Diät“ hatte Hugo für die Dauer des Wochenendes ja netterweise auf Eis gelegt. J Muchas Gracias, Amigo!!!
Tja, wir haben uns eigentlich nichts Spezielles angesehen. Aber die Innenstadt ist wirklich wunderschön, sauber und smogfrei…enge Kopfsteinpflasterstraßen, schöne bunte Häuser und viele gepflegte grüne Plätze… Es war einfach entspannend, dort im warmen Sonnenschein umherzuspazieren. Eine kleine Stadtrundfahrt in einem Holzwagen haben wir uns dann auch noch gegönnt, bevor die Sonne weg und die Luft plötzlich kühl war.
Also zurück ins Hotel, Klamotten gewechselt und für den nächtlichen Ausflug „gestylt“… Wobei ich die Frage, wer von uns beiden sich mehr „gestylt“ hat, unbeantwortet lasse ;-)
Vamos a bailar… Die Frage ist nur, WO ???
Die Nacht begann mit Spaghetti-Essen im Strassenrestaurant bei Live-Musik. Gegen 23:00 hieß es dann „Und nu?“… Da wir uns hier beide nicht auskannten, hatten wir natürlich auch keinen blassen Schimmer, wo man in dieser Stadt am besten die Nacht durchtanzen konnte. Also den Kellner gefragt… Der gab uns auch gleich die überzeugte Auskunft, dass sich 2 Querstrassen weiter ein toller Club namens Mulata befände. Gut, die Ortsangabe stimmte ausnahmsweise mal genau… Problem nur, der Club wurde von den Behörden geschlossen… Das jedenfalls stand auf den riesigen Absperrbändern…
Also weitergefragt… Man empfahl uns nun ein Antro namens 442 und wenn uns das nicht gefiele eine Straßenecke mit diversen Antros. Ok, also Taxi geschnappt und Rundtour gestartet… das 442 war nix und dazu noch total leer. Also weiter…
Baile Vaquero
Gelandet sind wir zunächst in einer riesigen Cantina mit purer Banda-Musik. Hier wollte man mir nicht einmal meine Margarita mixen... nur Flaschenbier L Da – was ich nicht wusste (Ok, Hugos Warnung hatte ich in den Wind geschlagen) – Banda schon nach wenigen Minuten relativ nervtötend werden kann, haben wir nur unser bestelltes Bierchen geleert und sind dann zu Fuß aufgebrochen, um etwas Besseres zu suchen. Schließlich wollten wir tanzen und nicht rumhüpfen.
Mal wieder was fürs Auge
Unser nächster „Erfolg“ war dann ein Club (diesmal Cover-frei) an dessen Eingang Hugo bereits vermutete „Club Gay“, was vom Türsteher verneint wurde…
Drinnen sah es dann aber genau danach aus… Also wenn da Typen in engen Jeans und weißen Feinripphemden Kuscheltanzen und in der anderen Ecke die Mädels rumknutschen, dann ist das für mich eindeutig kein Hetero-Schuppen…
Aber gut, die Musik (Pop/House) war in Ordnung und es gab 2 por 1… also blieben wir ein Weilchen Margarita-schlürfend und tanzend. Na gut, ich hab nicht allzu viel getanzt, sondern lieber zugesehen…An das, was manche Latinos auf der Tanzfläche abziehen, sobald die Musik es zulässt, reicht mein nun doch schon langsam eingerostetes tänzerisches Können einfach nicht heran… aber manchmal macht Zuschauen sowieso viel mehr Spaß ;-)
Auch diesen Club verließen wir mit nur einer (schlechten) Margarita im Kopf wieder.
Y al final de la noche… Salsa ;-)
Bei den folgenden 2 Antros genügte uns schon ein kurzer Blick ins Innere für die Entscheidung uns den Eintritt zu sparen.
Gegen halb 3 hatten wir dann doch noch Erfolg… Salsaklänge und ein gut gefüllter Club. Also Cover bezahlt (was ich ja eine Stunde vor Clubschließung als Frechheit empfand), Plätzchen gesucht und Getränke geordert.
Just in diesem Moment wechselt der DJ die Musikrichtung und wir bekommen eine weitere viertel Stunde Banda auf die Ohren. Wir haben aber auch ein Glück heute. Na gut, Augen zu und durch… Also ab auf die Tanzfläche und losgehopst… Schon nach wenigen Minuten komplett durchgeschwitzt stellen wir fest, dass sich die Musik tanzender Weise leichter erträgt als rumsitzend… also die Schritte bei den anderen abgucken und weiterschaukeln.
Kurze Zeit später ertönen zum Glück endlich wieder Salsaklänge… juhu… Antje bekommt also doch noch ihre Salsatanzstunde …J … Auch Hugos Gesichtszüge heitern sich schlagartig auf… diese Rhythmen lassen ihn sogar die beim Training zerschossene Schulter vergessen… „das wird sich morgen rächen“ versuche ich ihn noch zu warnen, … „disfrutamos el momento, ok?“ war die Antwort ;-)
Viel zu schnell wurde dieser Teil der Nacht dann jedoch vom DJ mit dem Wechsel auf Reggetón und dem Anschalten der Raumbeleuchtung als Zeichen „Letzter Titel für heute“ beendet. Schade…
Kurzer Sonntag
Antje war zwar wieder einmal pünktlich um 7 morgens wach, aber diesmal zum Glück noch schläfrig genug, um 4 weitere Stunden bis zur verabredeten Frühstückszeit rumzudösen.
Nach ausgiebiger Plünderung des Frühstücksbuffets und dadurch zu spätem Check Out (was mit einem vorwurfsvollen Blick der Rezeptionstante quittiert wurde) genossen wir völlig verpennt noch ein paar Sonnenstrahlen und lecker Eiscreme im Zentrum und besichtigten das berühmteste Haus der Stadt, bevor es dann um 4 schon wieder hieß „Heimfahrt antreten“.
2,5 Stunden Tiefschlaf im Bus später „dockte der Bus am Terminal del Norte in DF an“ … Wieder ein Wochenende vorbei… Es bleiben noch 8…. (die 2 in Deutschland sind schon abgezogen)
Machismo… oder… Kulturunterschiede erleben
Es ist tatsächlich so… Wenn Frau sich hier nicht mit Gewalt darum schlägt, auch mal eine Rechnung zu bezahlen, dann wird sie komplett ausgehalten…
Bei einem Abend in einer Bar oder so kann ich damit ja auch sehr gut leben…
Wenn es sich jedoch um ein komplettes Wochenende inklusive Hotel und Busfahrt handelt, finde ich das jedoch schon etwas seltsam (zumal ich vermutlich mit meinem deutschen Gehalt deutlich über seinem liege)…
Beim Kauf des Bustickets hatte ich bereits bevor wir an den Schalter traten, einen Schein gezückt (kenne die Latinos ja nun schon ein wenig), den ich dem Typen hinterm Schalter mit der Reservierung reichte. Er nahm ihn nicht an…Stattdessen nahm er mit einem breiten Grinsen im Gesicht das Geld, das Hugo ihm über den Schalter reichte… Da halten sie zusammen, die Jungens. *kopfschüttel* …
Aber wie redet Frau Klartext, wenn sie weiß, dass sie die männliche Ehre eines Latinos verletzt, wenn sie bezahlt??? Schwierig… sehr schwierig… Ich hab es dann mit den Kulturunterschieden versucht… und damit, dass es in Deutschland durchaus üblich ist, dass Freunde sich beim Bezahlen abwechseln... An seiner Zahlungswilligkeit hat das leider nichts geändert…
Nun ja, zum Glück hatte ich die Zimmer am Freitag via Internet nicht nur (wie besprochen) reserviert sondern auch mit meiner Kreditkarte bezahlt…Also keine Chance für Hugo, auch das zu bezahlen… ;-) Er war nicht begeistert, aber was soll’s… Damit muss er halt leben, wenn er mit der „chica alemana“ unterwegs ist…
Noch mehr Kulturunterschiede… wenn ich schon dabei bin…
Die männlichen Leser (insbesondere die unter 35) dieser Seite werden jetzt zwar gleich mit den Augen rollen und so was in der Richtung „Mädels, ihr wolltet die Gleichberechtigung, ihr habt sie bekommen… nun schreit doch bitte nicht nach Sonderbehandlung“ von sich geben… Egal, ich bin ja weit weg und muss mir das nicht anhören, und einige Sachen sind einfach mal einen Eintrag wert… ;-) ich fass mich auch kurz…
1. MANN zahlt alles… bin ich oben ja schon drauf eingegangen
2. MANN geht immer auf der Fahrbahnseite, egal, ob es sich um eine 4-spurige Hauptstrasse oder einen kleinen Holperweg handelt
3. MANN geleitet FRAU immer in ein Gebäude hinein oder aus einem Gebäude heraus, über die Strasse oder sonst was… dirigiert immer mit der flachen Hand kaum spürbar auf dem unteren Rücken (bei meinem ersten abendlichen Ausflug allein mit den Jungs war ich zunächst leicht irritiert, das gebe ich zu… irgendwann ist mir aber wieder eingefallen, dass das beim Turniertanzen auch zum guten Ton gehörte ;-)
4. MANN entbehrt seine Jacke und legt sie FRAU um die Schulter noch bevor sie kund getan hat, dass sie friert
5. MANN hält FRAU die Taxitür auf und lässt sie zuerst einsteigen
6. Beim Aussteigen aus dem Taxi steigt MANN zuerst aus und reicht FRAU eine helfende Hand
7. MANN überlässt FRAU egal ob in einer Bar oder im Restaurant immer den besseren Platz
8. MANN schenkt FRAU das Getränk nach, sobald sie den letzten Schluck getrunken hat (fragt natürlich vorher, ob er das darf), egal, ob es sich nun um Wein oder eine simple Dose Cola im Strassenrestaurant handelt.
9. Hat FRAU nur noch 2 oder 3 Schlucke im Glas, fragt MANN sofort, ob er noch ein Getränk bestellen soll
10. MANN fragt FRAU, was er ihr vom Buffet mitbringen darf (Jetzt weiß ich, warum die Mädels so schwabbelig sind… die müssen sich nicht mal zu essen bewegen… das Essen kommt zu ihnen)
11. Im Antro fragt MANN, ob FRAU tanzen möchte… und schickt sie im Falle eines Ja nicht allein auf die Tanzfläche… egal, ob ihm die Musik gerade gefällt, oder nicht.
12. MANN bringt FRAU bis vor die Haustür und wartet, bis sie sicher drin ist… Mittlerweile werde ich sogar abends nach dem Training (meist so 22:00) nach Hause gebracht. „Die Gegend ist nachts nicht sicher und die Taxifahrer sind auch nicht immer koscher“… ok, wenn du das sagst ;-)… wie hab ich nur die letzten 8 Monate hier überlebt? *grins*Ich denke eher, der Grund für die Begleitung ist, dass sich direkt neben meinem Haus ein Globo (edles Geschäft mit Kalorienbomben in jeglicher Form) befindet, in dem es leckere heiße Schokolade gibt, die wir dann mit der Ausrede „mañana quemamos todo“ schlürfen können…
Hm… die Liste ist bestimmt nicht vollständig… aber das sind die die Sachen, die mir spontan einfallen…
Also alles in allem wird FRAU hier tagtäglich behandelt wie ich das aus Deutschland nur zu besonderen Festivitäten kenne, wenn FRAU im langen Abendkleid und Highheels antritt. Und wenn, dann fühlt sich das (selbst damals bei den Tänzern) ja immer ein bisschen hölzern und bemüht an… FRAU spürt da halt „Jetzt hat er dran gedacht“. (Oder war ich mein ganzes Leben lang mit den falschen Männern unterwegs?)
Hier wirkt das ganze vollkommen natürlich, alltäglich (selbst bei meinem Spanisch-Prof. mit seinen gerade 19 Jahren), als wüssten die Jungs gar nicht, dass es andere Varianten des Umgangs gibt…Und ich renn hier nicht etwa mit besonders extravaganten Vertretern der Spezies MANN durch die Gegend.
Nein, eine Freundin (Deutsche), die seit über 2 Jahren mit einem Mexikaner zusammenlebt meinte nur Schulter zuckend „Gewöhn dich dran, das ist hier so… egal, ob Novio, Amante oder schlichtweg nur Amigo… geniess es einfach…“ Sie meinte, noch schlimmer ist es, wenn man mit dem eigenen Auto unterwegs ist… dann öffnet MANN erst die Beifahrertür (egal, ob Zentralverriegelung oder nicht), hilft FRAU beim Einsteigen, rennt dann ums Auto herum und steigt selbst ein. Beim Aussteigen dann das ganze Prozedere umgekehrt. (Erinnert mich irgendwie an eine Szene aus Dirty Dancing)
Nach einer kurzen Phase der Verwirrtheit, in der ich nicht wusste, wie ich damit umgehen soll und MANN mit meinen „widerspenstigen“ Reaktionen bestimmt mehr als einmal quergeplatzt bin, hab ich mich nun dran gewöhnt… Mit dieser sehr angenehmen Seite des latino-typischen Machismo kann ich durchaus leben… Die Kehrseite der Medaille „Machomännchen“ (die der Reiseführer ja auch sehr farbenprächtig beschreibt) werde ich ja nicht mehr kennen lernen, schließlich hab ich nicht vor, hier zu heiraten ;-)
