Mein Informationsjahr in México 2008

2008-02-01 Der erste Arbeitstag bei Siemens Servicios S.A.

Ich werde hier nicht über mein neues Aufgabengebiet berichten, da ist mir die Gefahr zu groß, dass ich interne Sachen ausplaudere, die ich nicht als solche verstanden hab.
Nur soviel, ich werde im Rahmen der PM@Siemens-Implementierung tätig sein und in den ersten Wochen insbesondere dafür sorgen, dass die Kollegen hier unseren wunderbaren LoA-Prozess samt seiner vielfältigen Dokumentationen verstehen und lieben lernen ;-)

Ich habe noch kein Notebook, keine Kennung, keinen SCD-Eintrag und was der Siemensianer sonst so zum Arbeiten braucht, aber mein Siemens-Ausweis, der nur für Erlangen und Berlin freigeschaltet ist, mit dem ich nicht einmal in München Zutritt habe, und den ich definitiv für den Kantinenbetrieb nie hab freischalten lassen, funktioniert hier fast 10.000 km entfernt komischerweise und zwar nicht nur an der Pforte, nein, auch beim Eintritt in die Kantine.
Ja, Eintritt in die Kantine… hier in Mexico zahlt man nämlich nicht für das, was man auf dem Tablett hat, sondern dafür, dass man die Kantine betritt, egal, ob man was Essbares findet oder nicht. Egal ist auch, wie viel man isst. Es wird einfach ein pauschaler Betrag abgebucht. Ich als bekennender Halbe-Portion-Esser bin von dieser „sozialen Gerechtigkeit“ natürlich nicht ganz so begeistert, wie die dickbäuchigen Kollegen. Aber es bleibt ja auch erst einmal abzuwarten, ob auf meiner nächsten Gehaltsabrechnung der Posten „Kantine“ überhaupt auftaucht… Es würde mich wundern.

Taps Taps

Das erste (und soweit mir bekannt auch das einzige) Fettnäpfchen des heutigen Tages habe ich ebenfalls mit einem Beitrag zum Thema Kantine erwischt. Ich habe nämlich die beiden Mädels von der Personalabteilung irgendwas bezüglich Mittagessen gefragt und dabei das Wort „Cantina“ als spanisches Pendant zur Kantine auserkoren… naja, das Büro hatte was zu lachen und mir erklärte man dann auch freundlicherweise, dass der „Comedor“ hier auf dem Gelände so ziemlich gar nichts mit einer „Cantina“ gemeinsam hat. Bei einer „Cantina“ handelt es sich nämlich um eine Bar, und wenn ich die Mimik der Mädels richtig gedeutet habe, um eine etwas anrüchige Bar…

Von wegen „mañana“ – Hier wird alles sofort erledigt

Aber die Mädels dürfen gern mal über mich lachen, schließlich haben sie (na gut in Zusammenarbeit mit mir, der Maklerin und dem Vermieter meines Apartments 503) es geschafft, was keiner für möglich gehalten hat. Gestern das neue Domizil ausgesucht und morgen schon darf ich einziehen…
Am frühen Nachmittag hieß es bereits, der Mietvertrag sei soweit fertig, ich müsste nur noch die erste Monatsmiete sowie die Kaution in gleicher Höhe vorbeibringen oder überweisen und dann könnte ich einziehen…
Da aber mein mexikanisches Bankkonto noch nicht existiert (dazu müssen erst Pass und Visum im Original zur Bank geschickt werden), habe ich von Siemens natürlich das Geld für die Miete noch nicht erhalten… Woher also 24.000 Peso nehmen? Selbst wenn ich es irgendwie geschafft hätte, mit meinen 3 Kreditkarten die umgerechnet 1.600 Euro aus irgendwelchen Geldautomaten zu ziehen… Mit so viel Geld durch Mexico City zu laufen wäre reiner Selbstmord. Hier haben in letzter Zeit schon ne Menge Leute für wesentlich weniger ne Kugel in den Kopf gekriegt, insbesondere in dem Industriegebiet, in dem sich auch Siemens befindet. Selbst die einheimischen Siemens-Mitarbeiter lassen sich morgens mit einem vorher gerufenen Funktaxi hin- und abends wieder heimfahren. Das Geld ist es offensichtlich wert.
Naja, jedenfalls habe ich dann beschlossen mit dem Umzug noch bis nächste Woche zu warten und bat die Mädels um eine Verlängerung der Hotelreservierung.
Abends dann kam die Nachricht, dass ich auch ohne Bezahlung morgen in mein neues Domizil umziehen kann. Ich weiß nicht, was die Persa da gemacht hat, aber offensichtlich ist Siemens hier ein Name. Von anderer (deutscher) Seite kamen aber ähnliche Bedenken, wie sie mir durch den Kopf gingen: Das läuft alles viel zu glatt für mexikanische Verhältnisse… Wo ist der Haken?
Als mich dann vorhin auch noch die Maklerin anrief und mir anbot, mich morgen mit Sack und Pack vom Hotel ins Apartment zu kutschieren (und das an einem Samstag), versteh ich gar nichts mehr… Warum macht sie das? Dank meiner gut ausgebildeten Vorurteile kam ich zu der schnellen Antwort: Natürlich, um sich etwas dazu zu verdienen. Aber egal, ich und meine 3 handlichen Köfferchen hätten uns eh ein Taxi nehmen müssen. Warum also nicht gleich eins nehmen, bei dem die Fahrerin dann auch noch mit zur Rezeption kommt und bei eventuell doch noch auftretenden Problemen diskutieren kann.

Keine Kommentare: