Mein Informationsjahr in México 2008

Wohnungssuche

2008-01-31 09:30 (GMT-6) México D.F., San Marino, im Auto

Heute stehen diverse Wohnungsbesichtigungen auf dem Programm. Zusammen mit einer Maklerin mache ich mich daran, eine Liste mit 12 möglichen Apartments abzuarbeiten. Preislich liegen alle so zwischen 12.000 und 16.000 Peso, also ca. 800 bis 1100 Euro.
Kreuz und quer ging es nun im Auto durch die für mich interessantesten Stadtviertel Condesa, Juarez und Polanco.
Irgendwie hatte die ziemlich mies gelaunte Antje aber an allen etwas auszusetzen… Mal ehrlich, wozu brauch ich 3 Schlafzimmer und 2 Bäder??? Soll ich jede Nacht in nem anderen Bett schlafen? Nee… Andere Vorschläge fielen dann durch das Raster, weil sie entweder für meinen Geschmack viel zu dunkel waren, der Gegenüber auf breiter Front ins Zimmer gucken kann, wenn man nicht die dunkelbraunen Vorhänge ständig geschlossen hat, oder aber, weil das Bad kurz vorm Auseinanderfallen ist…hygienische Bedenken kamen bei dem einen oder anderen dann noch erschwerend hinzu.
Interessant ist jedenfalls zu beobachten, dass die Besitzer voller Begeisterung von den Objekten schwärmen und dann immer noch gleich einen Freund, einen Bruder oder Onkel haben, der da auch noch eine ganz tolle Wohnung zu vermieten hat. Die Maklerin baut diese tollen neuen Varianten dann lautstark und vor allem dauerhaft telefonierend *grrrr* freudig ins Programm ein, sodass der Vormittag dann nicht mehr aus 7 sondern aus 10 Besichtigungen bestand.
Erwähnte ich bereits, dass ich gerade einen 15-stündigen Flug, 7 Stunden Zeitverschiebung und eine extrem schlecht geschlafene Nacht, die um kurz nach 04:00 bereits wieder beendet war, hinter mir habe, dass ich seit dem Frühstück bereits 3 Aspirin verspeist habe, die gegen die durch Dauertelefonie, Autoabgase und Flüssigkeitsmangel verursachten Kopfschmerzen aber absolut nichts ausrichten können, und dass ich nur noch ins Bett fallen und schlafen will?
Meine Laune sank also mit jeder erfolglosen Besichtigung weiter in den Keller und es viel mir immer schwerer, dem spenglischen Smalltalk zu folgen.
Kurz vor dem Mittagessen gab’s dann endlich mal ein Apartment nach meinem Geschmack… sehr hell, relativ moderne Ausstattung, sauber, mit allem technischen Krimskrams inklusive und verkehrsgünstig gelegen. Das war die erste Wohnung, die ihre 800 Euro auch „wert“ war.
Innerlich war für mich hier klar, dass ich das Nachmittagsprogramm streiche, auch wenn mir dadurch vielleicht DIE PERFEKTE Unterkunft durch die Lappen geht.
Nun drängelte ich nur noch darauf, die von den Siemens-Mädels empfohlene Apartmentanlage zu besichtigen, um mich dann zwischen diesen beiden zu entscheiden.
Während der Besichtigung versuchte nun die Maklerin mich über Preisverhandlungen à la „Ich kenne die Besitzerin sehr gut, wenn ich verhandele, kriegst du die Wohnung auch für 11.500“ zu der von ihrer Bekannten vermieteten Wohnung zu locken… Vetternwirtschaft eben… eine Hand wäscht die andere.
Nur konnte das tolle Apartment mit dem von mir angefragten nicht mithalten.
Die Suites sind ähnlich gut ausgestattet, werden aber nicht privat sondern wie ein Hotel verwaltet… Ständig besetzte „Rezeption“, Reinigungsservice, Wäscheservice und so weiter incl. UND im Dachgeschoss gibt’s ein Sportschwimmbecken, einen Whirlpool sowie einige Fitnessgeräte zur kostenfreien Benutzung. Internet ist ebenfalls schon im Preis mit drin ;-).
Und da ich im Herzen doch sehr deutsch ticke, gab ich dem gut organisierten nun den Vorzug vor der vielleicht sehr interessanten Privatvermietung inklusive Netzwerk.
Jetzt muss nur noch Siemens zustimmen und vor allem für mich bürgen, dann kann ich einziehen in Apartment Nr. 503…

Der Nachmittag war dann sehr unspektakulär, weil ich einfach nur geschlafen hab… Die Müdigkeit hat über die Neugier gesiegt. Direkt am Hotel zog nämlich eine Riesen-Demonstration von Campesinos vorbei, für die heute die halbe Innenstadt abgesperrt und so ziemlich alle Polizisten und andere Offizielle von sonstigen Arbeiten abgezogen wurden. Worum es genau ging, hab ich nicht rausgekriegt, aber wie gesagt, ich hab mir auch nicht wirklich Mühe gegeben.

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