2008-02-03 05:30 Kann wieder mal nicht schlafen
Unter Missachtung aller Warnungen ging’s erst einmal zur nächsten Bank zum Geldabheben. Eigentlich wollte ich gleich mal einen größeren Betrag abheben, damit ich mich dem Risiko eines Überfalls nicht so häufig aussetzen muss. Der Automat spuckt aber nur maximal 1.500 Peso aus. Das sind gerade einmal so um die 100 Euro. Also werde ich wohl doch häufiger hier vorbeischauen müssen :-(
Den Großteil der Beute habe ich im Apartment verstaut und einen kleinen Rest zusammen mit Passkopie (das Original liegt ja irgendwo bei einer Bank) und dem Wohnungsschlüssel in meiner topmodischen Schienbeintasche unter der Jeans versteckt. Der oft gepriesene Brustbeutel und innen liegende Gürteltaschen sind nämlich bei einer Temperatur von 23 Grad, beißendem Sonnenschein und der entsprechend stoffarmen Oberbekleidung völlig unpraktisch… da könnte Frau sich die Scheine auch gleich auf die Stirn kleben. Jetzt hieß es nur noch, den Fotoapparat irgendwo zu verstauen. Da der die Hosentaschen doch arg ausbeult, musste ich mir nun doch noch einen Pullover elegant um die Hüften hängen. Nicht schön, aber praktisch. Noch kennt mich hier ja eh keiner. So befanden sich in meinem Handtäschchen neben dem Stadtplan nur noch ein paar Tempos ;-). Böse Jungs (die ja hier angeblich überall lauern) wären mit dieser Ausbeute sicher sehr glücklich…
Unter Missachtung weiterer Warnungen machte ich mich nun auf den Weg zur nächsten Metro-Station um mit eben jener ins historische Zentrum der Stadt zu fahren.
Ein Fahrschein kostet hier übrigens 2 Peso… Lässt sich das überhaupt noch umrechnen??? Es sind glaube ich so in etwa 13 Cent. Ich kaufe gleich 5 Stück, nur um den ersten gleich in den Sand zu setzen… Das Orientierungsgenie Antje ist nämlich erst einmal schön in die falsche Richtung gefahren… Ganz wohl gefühlt habe ich mich da unter der Erde nicht, aber ich glaube, das lag eher an den Erzählungen, die mir so durch den Kopf spuckten, als an der tatsächlichen Gefahr. Gut, heut ist Sonntag und somit war die Metro ziemlich leer.
Ohne weiteres Verlaufen oder Verfahren kam ich eine halbe Stunde später an meinem auserkorenen Ziel „Bellas Artes“ an und spazierte gemütlich eine vergleichsweise autofreie Strasse namens Tacuba entlang in Richtung Plaza de la Constitución und Palacio Nacional, vorbei an verschiedenen Sehenswürdigkeiten, die ich mir aber zu einem späteren Zeitpunkt von innen anschauen werde. Heute wollte ich nur einen ersten Eindruck von den schönen Seiten der Stadt gewinnen und nicht immer nur Stau und hässliche Betonklötze sehen. Tacuba scheint eine schöne Shoppingstrasse zu sein, wenn an Wochentagen alle Geschäfte öffnen. Ein Küchengerätegeschäft hatte auch heute auf, und so konnte ich den noch fehlenden Wasserspender (damit ich nicht für jedes Gläschen diese 10 Liter hoch hieven muss) sowie ein paar „Tupperdosen“ zu vernünftigen Preisen erstehen. Mit einer großen Einkaufstüte voller Plastikzeugs in der einen und dem Fotoknipser in der anderen Hand dann weiter kreuz und quer durch die Strassen.
Auf der Plaza de la Constitución angekommen erblicke ich tausende von Menschen, die sich (größtenteils noch unmodischer gekleidet als ich, also quasi im Jogginganzug) in Form einer riesigen Schlange rund um den Platz (und dieser ist nicht gerade klein) in Richtung Eingang einer Ausstellung oder so schieben.
Egal, was sich in diesem Gebäude befindet, selbst wenn es das kostenlos gibt, ich glaube nicht, dass ich mir dafür hier stundenlang in der Mittagssonne die Beine in den Bauch stehen würde. Die mexikanischen Familien scheint das jedoch nicht zu stören. Teilweise bewaffnet mit schwarzem Regenschirm als Sonnenschutz und einer dicken Zeitschrift zum Zeitvertreib kriechen sie Millimeter für Millimeter vorwärts. Was soll man auch sonst an einem Sonntag machen?!?
Ich muss am Dienstag im Büro mal fragen, was ich da spannendes verpasst habe.
Mir wird die Sonne in Verbindung mit der für mich ungewohnten sauerstoffarmen und abgasreichen Luft nun auch zuviel und so ich mache mich auf den Heimweg. Ich muss es ja nicht gleich übertreiben mit dem Touristenleben. Schließlich habe ich noch viel Zeit.
Wieder daheim spaziere ich noch kurz durch die Seitengassen, um zu schauen, was es alles so in meiner direkten Umgebung gibt, verliere aber schnell die Lust.
Stattdessen habe ich im Schwimmbad oben im Dachgeschoss ein paar langsame (an die 2300 Höhe über dem Meeresspiegel muss sich der Körper ja auch erst einmal gewöhnen) Bahnen gezogen. Schwimmen und das kleine Fitnessstudio werden hier wohl die einzigen Sportmöglichkeiten bleiben, denn draußen joggen kann man eigentlich nur nachts…

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