Mein Informationsjahr in México 2008

Der erste freie Tag

2008-02-03 05:30 Kann wieder mal nicht schlafen
Schon wieder sitze ich vor meinem Läppi und hacke auf der Tastatur rum. Was soll ich auch sonst machen? Draußen ist es stockdunkel und kalt, das Schwimmbad darf ich erst ab 10:00 benutzen und im Fernsehen kommt noch mehr Schrott als in Deutschland. Hab also die Zeit genutzt und mein Skype-Guthaben aufgeladen, damit ich endlich telefonieren kann, und mal wieder ein paar Fotos eingestellt.

2008-02-03 20:00 (GMT-6) Der erste freie Tag

Heute habe ich in dieser riesigen Stadt die ersten freien Schritte allein vor die Tür gemacht. Ich hab mir also nicht wie in den letzten Tagen an der Rezeption ein Taxi rufen und mich zu Touristenpreisen von Tür zu Tür kutschieren lassen, sondern bin zu Fuß durch die Gegend gestiefelt.
Unter Missachtung aller Warnungen ging’s erst einmal zur nächsten Bank zum Geldabheben. Eigentlich wollte ich gleich mal einen größeren Betrag abheben, damit ich mich dem Risiko eines Überfalls nicht so häufig aussetzen muss. Der Automat spuckt aber nur maximal 1.500 Peso aus. Das sind gerade einmal so um die 100 Euro. Also werde ich wohl doch häufiger hier vorbeischauen müssen :-(

Abenteuer Metro und Stadtbummel
Den Großteil der Beute habe ich im Apartment verstaut und einen kleinen Rest zusammen mit Passkopie (das Original liegt ja irgendwo bei einer Bank) und dem Wohnungsschlüssel in meiner topmodischen Schienbeintasche unter der Jeans versteckt. Der oft gepriesene Brustbeutel und innen liegende Gürteltaschen sind nämlich bei einer Temperatur von 23 Grad, beißendem Sonnenschein und der entsprechend stoffarmen Oberbekleidung völlig unpraktisch… da könnte Frau sich die Scheine auch gleich auf die Stirn kleben. Jetzt hieß es nur noch, den Fotoapparat irgendwo zu verstauen. Da der die Hosentaschen doch arg ausbeult, musste ich mir nun doch noch einen Pullover elegant um die Hüften hängen. Nicht schön, aber praktisch. Noch kennt mich hier ja eh keiner. So befanden sich in meinem Handtäschchen neben dem Stadtplan nur noch ein paar Tempos ;-). Böse Jungs (die ja hier angeblich überall lauern) wären mit dieser Ausbeute sicher sehr glücklich…
Unter Missachtung weiterer Warnungen machte ich mich nun auf den Weg zur nächsten Metro-Station um mit eben jener ins historische Zentrum der Stadt zu fahren.
Ein Fahrschein kostet hier übrigens 2 Peso… Lässt sich das überhaupt noch umrechnen??? Es sind glaube ich so in etwa 13 Cent. Ich kaufe gleich 5 Stück, nur um den ersten gleich in den Sand zu setzen… Das Orientierungsgenie Antje ist nämlich erst einmal schön in die falsche Richtung gefahren… Ganz wohl gefühlt habe ich mich da unter der Erde nicht, aber ich glaube, das lag eher an den Erzählungen, die mir so durch den Kopf spuckten, als an der tatsächlichen Gefahr. Gut, heut ist Sonntag und somit war die Metro ziemlich leer.
Ohne weiteres Verlaufen oder Verfahren kam ich eine halbe Stunde später an meinem auserkorenen Ziel „Bellas Artes“ an und spazierte gemütlich eine vergleichsweise autofreie Strasse namens Tacuba entlang in Richtung Plaza de la Constitución und Palacio Nacional, vorbei an verschiedenen Sehenswürdigkeiten, die ich mir aber zu einem späteren Zeitpunkt von innen anschauen werde. Heute wollte ich nur einen ersten Eindruck von den schönen Seiten der Stadt gewinnen und nicht immer nur Stau und hässliche Betonklötze sehen. Tacuba scheint eine schöne Shoppingstrasse zu sein, wenn an Wochentagen alle Geschäfte öffnen. Ein Küchengerätegeschäft hatte auch heute auf, und so konnte ich den noch fehlenden Wasserspender (damit ich nicht für jedes Gläschen diese 10 Liter hoch hieven muss) sowie ein paar „Tupperdosen“ zu vernünftigen Preisen erstehen. Mit einer großen Einkaufstüte voller Plastikzeugs in der einen und dem Fotoknipser in der anderen Hand dann weiter kreuz und quer durch die Strassen.

Volkssport Schlangestehen
Auf der Plaza de la Constitución angekommen erblicke ich tausende von Menschen, die sich (größtenteils noch unmodischer gekleidet als ich, also quasi im Jogginganzug) in Form einer riesigen Schlange rund um den Platz (und dieser ist nicht gerade klein) in Richtung Eingang einer Ausstellung oder so schieben.
Egal, was sich in diesem Gebäude befindet, selbst wenn es das kostenlos gibt, ich glaube nicht, dass ich mir dafür hier stundenlang in der Mittagssonne die Beine in den Bauch stehen würde. Die mexikanischen Familien scheint das jedoch nicht zu stören. Teilweise bewaffnet mit schwarzem Regenschirm als Sonnenschutz und einer dicken Zeitschrift zum Zeitvertreib kriechen sie Millimeter für Millimeter vorwärts. Was soll man auch sonst an einem Sonntag machen?!?
Ich muss am Dienstag im Büro mal fragen, was ich da spannendes verpasst habe.
Mir wird die Sonne in Verbindung mit der für mich ungewohnten sauerstoffarmen und abgasreichen Luft nun auch zuviel und so ich mache mich auf den Heimweg. Ich muss es ja nicht gleich übertreiben mit dem Touristenleben. Schließlich habe ich noch viel Zeit.
Wieder daheim spaziere ich noch kurz durch die Seitengassen, um zu schauen, was es alles so in meiner direkten Umgebung gibt, verliere aber schnell die Lust.
Stattdessen habe ich im Schwimmbad oben im Dachgeschoss ein paar langsame (an die 2300 Höhe über dem Meeresspiegel muss sich der Körper ja auch erst einmal gewöhnen) Bahnen gezogen. Schwimmen und das kleine Fitnessstudio werden hier wohl die einzigen Sportmöglichkeiten bleiben, denn draußen joggen kann man eigentlich nur nachts…

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