Um 07:20 klingelt für gewöhnlich der Wecker und Antje macht sich auf den Weg ins Bad. Unterwegs setze ich hier immer gleich meine Brille auf, damit ich Blindfisch das morgendliche Begrüßungskomitee in meinem Bad – gewöhnlich bestehend aus einer Kakerlake oder einem anderen Krabbeltier – auch sehe und nicht barfüßig drauf trete. Nein, nicht, dass ich das jeweilige Viech am Leben lasse, aber zum morgendlichen Gemetzel eignen sich meine Badeschlapen wesentlich besser als meine Füße. Bisher hab ich noch nicht rausfinden können, wo das Getier herkommt und warum die Sippe immer nur einen Vertreter pro Tag schickt. Darüber werde ich mich natürlich nicht beschweren. Ich habe nur die Befürchtung, dass die einzelne Kundschafter losschicken, wenn der erste nicht wiederkommt, den nächsten, und wenn ihre einkalkulierte Verlustgrenze überschritten ist, zum Angriff ausschwärmen. An diesem Tag bin ich hoffentlich grad nicht da ;-)
Naja, um 08:10 trifft sich dann unsere Taxifahrgemeinschaft in der Lobby, um sich auf den Weg in Richtung Norden ins grottenhässliche Industriegebiet, in dem unser aller Arbeitgeber seinen Sitz hat, zu machen. Pünktlich um 08:30 - mal nach deutscher und mal nach mexikanischer Ansicht - bekommt mein Notebook seinen Arbeitsbefehl, den es ca. eine Stunde später dann auch ausführt. Mittlerweile fahre ich den PC abends schon gar nicht mehr runter, damit es morgens schneller geht. Über die Besonderheiten im Büro hatte ich ja bereits berichtet, sodass ich an dieser Stelle mal vorspule auf den Feierabend. Dieser beginnt je nach Arbeitsauslastung zwischen 18:30 und 19:30 mit der Suche nach einem Taxi (halb Siemens fährt mit dem Taxi heim). Auf dem Heimweg kann ich oft nicht auf die Fahrgemeinschaft zählen, die beiden Jungs arbeiten gern etwas länger und Julia ist grad in Deutschland. Daheim angekommen ist es je nach Verkehrslage zwischen halb 8 und halb 9. Nun heißt es entweder, zum nächsten Supermarkt watscheln um einzukaufen, Wäsche waschen (am Wochenende waschen die restlichen Bewohner der Anlage und es ist dementsprechend kaum eine freie Maschine zu ergattern) und/oder oben im Dachgeschoss im Fitnessstudio bzw. im Schwimmbad noch 1 bis 2 Stunden den an den nicht sehr rückenfreundlichen Bürostuhl angepassten Körper noch ein wenig zu bewegen. Manchmal sitze ich dann noch vor meinem Läppi und erledige den ganzen Organisationskram von Mietvertrag bis Bankkonto oder ich schreibe hier mal wieder ein bisschen weiter. Meinen Fernseher hatte ich bisher jedenfalls nur einmal an, gleich am ersten Tag, um zu prüfen, ob er geht ;-)
Tja und da ich meine 8 Stunden Schlaf grad hier oben in luftiger Höhe sehr nötig habe, ist der Tag dann auch schon vorbei.
Das soll’s erstmal gewesen sein zur langweiligen Routine. Ich hoffe, diese wird bald ein wenig erweitert durch abendliche Vergnügungsausflüge, sobald sich mein fast ständig dröhnender Schädel an die schlechte Luft gewöhnt hat.
Mein Informationsjahr in México 2008
2008-02-15 La Cucaracha oder „Guten Morgen, Antje“
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1 Kommentar:
atHi Antje, freut mich, dass es noch jemanden gibt, der ähnliche Arbeitszeiten hat.
Bei mir sieht es folgendermassen aus:
Wecker: 5.30 Uhr
Abfahrt: 6.00 Uhr
Frühstücken bei Siemens (Semmel mit Butter + Kaffee):
6:40 Uhr
Arbeitsanfang: 7.00 Uhr
Heimfahrt: ca. 17.00 Uhr
Ankunft: 17.15 Uhr
Juchhu!
Gruss aus Manaus
Björn
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