Highheels und Karriereträume
Ich muss vorweg nehmen, wir sitzen im Büro in durch überwiegend hüfthohe Trennwände zerteilten Käfigen. Das muss ich bei Gelegenheit sowieso mal fotografieren, damit diejenigen, die sich über die Lautstärke in einem 10-Mann-Büro aufregen, mal sehen, was ein Großraumbüro ist.
Eine Kollegin, die hinter mir sitzt und genauso neu ist wie ich, kam humpelnd ins Büro… und ich war schon drauf und dran, mitfühlend zu fragen, ob sie sich irgendwie verletzt hat… In dem Moment kommt sie hinter der Trennwand vor, und was muss ich sehen… mindestens 12 cm-Absätze (Ich hab nicht nachgemessen, aber da meine Tanzschuhe 7 cm Absatz hatten, müssen es so um die 12 cm sein.), dazu hautenger Minirock (ja, auf diese Beine kann Frau bei aller Lästerei schon neidisch sein) und eine durchsichtige Bluse (den Bauch will ich allerdings nicht haben)… OK. Alles klar, in mich reinschmunzelnd begrüßte ich sie mit dem hier üblichen Küsschen auf die Wange und wandte ich mich kommentarlos wieder meinem PC zu. Wie die das den ganzen Tag aushält… keine Ahnung… und wie sie damit Auto fährt, will ich sowieso nicht wissen… aber so sind sie halt die Chicas aus der bekannten Touristen-Schickimickistadt am Pazifik. Meinem Gegenüber fällt es jedenfalls immer sehr schwer, sich auf die Arbeit zu konzentrieren, wenn sie kommt und geht *grins*. Christoph, ich habe deinen Wunsch nicht vergessen und werde demnächst mal versuchen unauffällig meine Kamera platzieren ;-).
Die gleiche Dame (und noch ein paar andere) verwendet übrigens ein schreiendes Pink (zum smogverursachten Lungenkrebs gesellt sich somit noch der Augenkrebs) als Windows-Hauptfarbe, d.h. hinter Word, Excel etc. leuchtet immer ein zartes Rosa durch (wusste gar nicht, dass das überhaupt geht). Ich mag es ja eigentlich nicht, wenn mir jemand im Rücken sitzt, aber in diesem Fall bin ich froh, dass ich das nur sehen muss, wenn ich meinen Patz verlasse, was leider ziemlich häufig der Fall ist.
Aber nun kommt’s… ich hatte gedacht, sie ist irgendwie so was wie ne Praktikantin oder so, weil sie immer den Scheiß machen muss, auf den ihr Vorgesetzter keinen Bock hat. Aber nein, heute kurz vor Feierabend bin ich ihr auf der Latina-Schnatterplattform über den Weg gelaufen und wurde auch gleich 5 Minuten belagert (5 Minuten sind verdammt lang, wenn man hier nicht zum schminken herkommt). Und da erzählt sie mir, dass sie studierte Ingenieurin ist (OK, wieder zu schnell geurteilt, Antje) und darauf hofft, bald als Projektmanagerin arbeiten zu dürfen. Mädchen, hast du schon mal in den Spiegel geschaut? Du magst ja ein helles Köpfchen sein, aber glaubst du wirklich, bei dem Augenklappern und Popowackeln im Mini, kriegen deine Chefs und Kollegen das mit und fördern dich entsprechend? Wenn ich mir die Reaktionen der männlichen Belegschaft so anschaue, dann bezweifle ich das stark. Die würden dich gern in alle möglichen Positionen befördern (alle mit leichter Horizontallage) aber bestimmt nicht zum PM.
Geburtstage der Kollegen werden hier in D.F. übrigens auch um einiges aufwendiger gestaltet als in Deutschland. Heute (2008-02-22) hatte eine Kollegin (auch mit pinkem Bildschirm) Geburtstag und ihr ganzer Arbeitsplatz war bunt geschmückt mit Luftballons und Girlanden, die an der Decke und an den Wänden hingen, bunt beklebter Tastatur, einem aufwendig gebundenen wunderschönen Blumenstrauß, kindlich bunt (Winnie Puh) eingepackten Geschenkpaketen und Tüten… schon ziemlich kitschig dass ganze, aber total süß… Ob in den Geschenken auch was Brauchbares drin war, weiß ich leider nicht. Es ist aber durchaus im Bereich des Möglichen, dass das nicht der Fall war, denn hier gibt es so viele Läden, in denen man „Geschenke“ kaufen kann, die total schön bunt sind, aber ohne jeglichen Nutzen… Man könnte es auch als sinnlosen Schrott bezeichnen. Aber wie ich schon damals in Ecuador lernen musste, ist es wichtig, dass was geschenkt wird und dass möglichst jeder weiß, wie teuer es war, egal, ob es nun sinnvoll oder sinnlos ist.
Nightlife in D.F.
Heute Abend war ich zum ersten mal aus ;-) Nach über 3 Wochen ist das eigentlich schon erschreckend. Naja, wir sind kurzfristig in die Condesa (edleres Ausgehviertel) gefahren (hätten die paar Querstraßen auch laufen können) und dort in einen Club namens Patanegra (schwarzer Fuß). Vor der Tür stand eine kleinere Traube wartender Menschen, aber nicht wie bei uns z.B. vor der Hafenbar schön in einer Schlange, nein, wenn man ankommt, zieht man eine Nummer wie auf dem Amt und der Türsteher notiert sich, wie viele Personen zu dieser Nummer gehören. Dann kann man warten wo man will (in unserem Fall hätten wir in der Nachbarkneipe auch noch locker ein Bierchen trinken gehen können), bis die entsprechende Nummer über der Tür aufleuchtet (fehlt nur der amtstypische Gong, vielleicht hab ich den bei dem Geschnatter aber auch nur überhört). Zur Stärkung für die Wartenden kam dann ein Coca-Cola-Mobil vorbei und mit ihm Werbefuzzis auf diesen Laufgestellen, mit denen man sich bewegt wie ein Känguru (wenn man es denn kann), und hat kleine Kostproben des schwarzen Gesöffs verteilt.
Das war eigentlich schon der interessante Teil der Nacht. Die Musik drinnen war anfangs noch ganz OK, wurde aber schon nach kurzer Zeit grottenschlecht, sodass wir um kurz nach eins bereits wieder auf dem Heimweg waren, diesmal zu Fuß, um noch ein bisschen durchzulüften ;-) Meine Erfahrung aus Kolumbien (von wegen Holzklotz auf zwei Beinen) durfte ich in dieser Nacht wieder zur Schau stellen, als ich von einem Mexikaner, der mich angeblich aus Berlin (wo er zwei Jahre gearbeitet haben will) kennt, zum Tanzen aufgefordert wurde. Diese Bewegungsart hier, kriegt mein Körper irgendwie überhaupt nicht hin. Wahrscheinlich deshalb hat der Typ mir gleich nach dem ersten Tanz ein Bier in die Hand gedrückt (die Flasche hab ich, so voll wie sie war, beim Verlassen des Clubs dem Türsteher übergeben), damit ich für den zweiten Tanz lockerer werde… keine Ahnung… Ich war jedenfalls froh, als der noch übrig gebliebene Rest meiner Wohnkollegen dann aufbrach und ich leider mit musste… ;-)

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