Mein Informationsjahr in México 2008

2008-02-23 Geniale Geschäftsidee – Net & Pet

Nein, das ist kein Witz… Auf der Suche nach kompetentem Fachpersonal in Punkto PC-Reparatur (Mein Läppi will partout nicht mehr ins Internet… kein Skype mehr… Antje total verloren) habe ich heute morgen die Internet-Cafés meiner Umgebung abgeklappert. Und plötzlich stand ich vor einem Laden mit der Aufschrift „Net & Pet – Alles für Ihren PC und ihr Tier“ (frei übersetzt)… OK… grins… na mal reinschauen kann ja nicht schaden, dachte ich mir und ging vorbei an Hundefutter und PC-Stationen zur Cafétheke. 10 Minuten später stand mein Läppi auf der Theke und wurde vom (ich nenn ihn mal) Informatiker untersucht, währen keine anderthalb Meter weiter ein Tisch zum Operationssaal umfunktioniert wurde, in dem ein (ich hoffe mal) Tierarzt einer kleinen Schildkröte zwei Spritzen gab, und dann an ihrem Hals rumschnibbelte. Genau dazwischen saß ich, schlürfte einen grottenschlechten Cappuccino und wartete auf die Diagnose des Fachmanns. Auf solche Geschäftsideen können echt bloß Latinos (möglicherweise noch Asiaten) kommen. Naja, der für mich zuständige Fachmann kam zu dem Ergebnis, dass mein Problem wahrscheinlich nicht die Konfiguration oder die Software, sondern die Hardware, genauer gesagt das Teil, in welches das Internetkabel gesteckt wird (keine Ahnung, wie das fachmännisch korrekt heißt, der Typ sprach immer von einer „Puerta“), ist. Auf meinen Einwand, dass auch mein W-LAN nicht funktioniert, lacht er mich nur aus, schiebt den kleinen Schalter vorn an meinem Läppi von links nach rechts und schon tauchen 7 Netzwerke auf meinem Bildschirm auf, in die ich mich einwählen könnte… Peinlich… Aber gut, ich weiß ja, dass ich von Computern nur so lange Ahnung hab, wie sie funktionieren. Ja Bruderherz, lach nur…

Inzwischen hat auch der andere Doktor seine Operation beendet, holt seine Spiegelreflexkamera aus dem Rucksack und macht einige Beweisfotos von der sich noch bewegenden Schildkröte. Dann haut er ab und der Typ, der mir den Kaffee gemacht hat, verfrachtet die Schildkröte in eine Schüssel, welche unter der Kaffeetheke verschwindet, und wischt den OP-Tisch mit einem Lappen ab, der auf der Kaffeetheke lag. Grrrr… Egal, nach fast einer Stunde verlasse ich etwas beruhigter mit einem Zettel, auf dem steht, welchen Adapter ich brauche, um ins Internet zu kommen, und um nur 70 Peso leichter diesen denkwürdigen Laden.

Dass mein Internetproblem damit noch lange nicht gelöst ist, muss ich mir dann abends um halb 7 nach stundenlanger Suche eingestehen. Hier gibt es nämlich nicht so was wie einen Mediamarkt oder Saturn… jedenfalls ist mir unterwegs keiner begegnet. Und in diesen kleinen Möchtegern-Elektrofachmärkten schütteln die wenigen, die überhaupt verstehen (und das liegt nicht an meinem schlechten Spanisch), was für ein Teil ich suche, nur den Kopf. Nein, das führen wir nicht. Ich bin sogar bis zum Walmart raus gegurkt, weil ich mich an ein Regal mit Computerzubehör zu erinnern glaubte. Es gab auch zig verschiedene Adapter, nur den einen mit Internet rein – USB raus, leider nicht. Und so stieg ich entmutigt wieder in den Metrobus und fuhr heim. Auf dem noch zu Fuß zurückzulegenden Wegteil fragte ich dann sogar in einem Radioladen, ob mein Wunschteil geführt wird. Nein, natürlich nicht. Aber der Verkäufer verriet mir, dass es direkt im Zentrum (da bin ich ja vorhin nur so ca. 4 Stunden suchend umhergeirrt) einen sehr großen, aber für Fremde sehr schwer zu findenden Computerfachmarkt gibt. Sehr schön, das wollte ich hören. In guter Hoffnung auf einen morgigen Erfolg, kam ich dann um 8 endlich zu Hause an. Hoffentlich ignoriert dieser Fachmarkt die Tatsache „Sonntag“ genauso wie die ganzen Läden, in denen alles und nichts verkauft wird.
Ach so, ich bin natürlich nicht nur streng und schnurstracks durch die Strassen gestiefelt. Nein, auf meiner Suche habe ich noch einen Blick in das imposante Postgebäude mit Postmuseum geworfen, Briefmarken gekauft und die erste Postkarte losgeschickt. Dann habe ich eine Weile natürlich mit einem frisch gepressten O-Saft in der Hand einer Straßenband samt Tanzpaar zugeschaut und bin durch diverse Alles-und-Nichts-Läden spaziert. Am Zócalo bin ich in einem Hotel die Treppen bis zur Dachterrasse raufgekeucht, um mir den normalen Wochenendwahnsinn unten auf dem Platz mal von oben anzuschauen. Zu guter Letzt habe ich noch bei C&A (ja, in dem Klamottenladen) einen Mocca-Frappé geschlürft, so lässt sich eine Endlossuche schon ertragen ;-)
Nach einer kurzen Verschnaufpause daheim bin ich dann wie am Donnerstag auch schon mit meinem Läppi im Rucksack zum nächstens Starbucks getigert… mit einem Unterschied… diesmal konnte ich im Internet surfen… was ein kleiner Schalter in der falschen Position doch so alles bewirken kann ;-) Ich ließ also meine Sicherheitssoftware aktualisieren, damit der Warnungsmeldungsterror endlich ein Ende hat und marschierte kurze Zeit später erneut und für heute endgültig heim.

Keine Kommentare: